J. Jefferson Farjeon: Geheimnis in Weiß

(c) Klett Cotta

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Jeder regelmäßige Leser dieses Blogs weiß, dass ich nicht viel von “Whodunits” halte. Mir ist das generell einfach zu harmlos, zu nett, zu gemütlich. Das finde ich auch nach Lektüre des fast 80 Jahre alten Krimimärchens “Geheimnis in Weiß” noch, dennoch habe ich mich ein wenig in dieses Buch verliebt. Es mag daran liegen, dass Weihnachten ist 😉

Auch die Menschen in dem 1937 erstmals erschienenen Kriminalroman von J. Jefferson Farjeon träumen von Weißen Weihnachten. Doch wie es nun einmal ist, hält sich die Natur nicht an Träume, sondern an ihre eigene Gesetze:

“Der Schnee wuchs über die Grenzen des Lokalinteresses hinaus. Am 23. war er eine Nachricht. Am 24. war er ein Ärgernis.”

Als dann gegen Mittag ein Zug im ländlichen England steckenbleibt, beschließt ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Reisenden, dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen und macht sich auf die Suche nach einer anderen Zugstrecke, die alle Beteiligten doch noch pünktlich zum Zielort bringen soll. Stattdessen geraten die Reisenden erst so richtig in ein wüstes Schneetreiben, woraufhin sie in einem verlassenen Haus Zuflucht suchen. Seltsamerweise ist dieses beheizt, im Teekessel in der Küche kocht Wasser. “Das Einzige, was fehlte, um den Empfang zu vervollkommnen, war ihr Gastgeber.” Was also tun? Trotz Gewissensbissen einigt man sich darauf, zu bleiben, schließlich befindet man sich in einer Notlage. Dem nicht anwesenden Besitzer will man Geld zurücklassen – für all den aufgegessenen Proviant und die benutzten Handtücher und Bettlaken.

Das könnte behaglich und romantisch sein, doch dem Haus haftet etwas Unheimliches, Gruseliges an. Anstatt des Gastgebers begrüßt sie ein großes Bild an der Wand über dem Kamin: “Es war ein Ölgemälde in einem schweren Goldrahmen von einem aufrechten alten Mann, dessen Augen sie mit einem herausfordernden, zynischen Leuchten betrachtete.”

Schon bald müssen der alte Mr. Maltby von der Königlich-Parapsychologischen Gesellschaft, der fiebrige Buchhalter Thomson, das Geschwisterpaar Carrington, der Nörgler Mr. Hopkins und die Revuetänzerin Jessie erkennen, dass das Fest anders verlaufen wird, als sie sich das vorgestellt haben – besonders, als plötzlich ein mysteriöser Mr. Smith (wie könnte er auch anders heißen!) auftaucht. Wunderbar, oder?

“Geheimnis in Weiß” ist drei Jahre nach Agatha Christies Klassiker “Mord im Orient-Express” erschienen und liegt nun auch erstmals auf Deutsch vor. Es ist eine wohltuende Reise zurück in die goldene Ära des Whodunit, die vor allem von britischen Autorinnen wie Christie und Dorothy L. Sayers geprägt wurde. In dieser Welt galt das Verbrechen noch als aufregende Ausnahme, dessen Lösung möglichst rätselhaft zu erfolgen hatte. Es war die Zeit, bevor Raymond Chandler und Dashiell Hammett mit ihren illusionslosen Hardboiled-Kriminalromanen den Realismus in das Genre brachten und Verbrechen als etwas fast schon Alltägliches präsentierten.

Farjeon erzählt auf amüsante und charmante Weise eine zeitlose Geschichte, die man fast als Wintermärchen bezeichnen könnte, gäbe es da nicht auch Tote. Perfekt eigentlich: Ein Wohlfühlkrimi für Weihnachten!

7 von 10 Punkten

J. Jefferson Farjeon: “Geheimnis in Weiß”, übersetzt von Eike Schönfeld, Klett Cotta, 282 Seiten.

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