Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder

(c) Haymon

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Bernhard Aichners Krimis machen Spaß. Daran gibt es keinen Zweifel. Egal ob die Totenfrau-Thriller-Trilogie (der abschließende dritte Teil erscheint im Jänner 2017) oder die Max-Broll-Krimis. Egal ob Bestatterin oder Totengräber, Aichner hat seine stakkatohafte Sprache gefunden, die seine Geschichten rasant voranpeitscht. Gepaart mit vielen weißen Leerseiten entsteht das Gefühl, seine Bücher richtiggehend zu verschlingen.

Wow, schon wieder zehn Seiten geschafft. Und schon wieder zehn! Aichner hat das zur Perfektion getrieben. Das ist handwerklich eigentlich nicht mehr zu überbieten – das können nicht viele. Wer von einem Krimi unterhalten werden will, der ist bei Aichner absolut richtig.

Wem das allerdings nicht genügt, der sollte nun weiterlesen. Denn jetzt kommt das “Aber”.

Für mich ist das zu glatt, zu kalkuliert. Da reist Max Broll, der als einziger von der Schuld des Täters (der noch dazu auf seinen besten Freund geschossen hat) überzeugt ist, diesem zuerst per Zug und dann per Kreuzfahrtschiff nach, um ihn zu überführen. Ideal für jeden Buchhändler: Das empfiehlt sich als Lektüre für Zug- und Schiffsreisende. Und natürlich ist der Täter ein Deutscher, auch das erhöht die Leserschaft. Zudem soll jeder Dialog ein Knaller sein. Das unterhält und amüsiert, ermüdet aber auch. Denn manchmal ist weniger mehr.

Letztlich ist die Welt, die Aichner erschafft, künstlich. Das sind keine echten Menschen, keine echten Dialoge. Die Wahrhaftigkeit fehlt. Zu sehr ist Aichner auf überraschende Wendungen und das Außergewöhnliche fokussiert. Das driftet dann mitunter ins Comicartige ab. “Interview mit einem Mörder” liest sich stellenweise fast wie eine Abenteuerreise mit Tim und Struppi. Immer amüsant, immer unterhaltsam, aber auch völlig unglaubwürdig. Wie gesagt: Perfekte Realitätsflucht, perfekt für den Urlaub.

Letztlich geht es mir aber eben wie Marcus Müntefering, der auf “Spiegel Online” schreibt: “Auch mit Achterbahnfahrten werden Aichners Romane gern verglichen. Weil: ähnlich aufregend. Aber Achterbahnen werden irgendwann langweilig. Weil: fahren immer im Kreis.”

6 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Interview mit einem Mörder”, Haymon Verlag, 288 Seiten.

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