Misha Glenny: Der König der Favelas

(c) Tropen

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Misha Glenny sind mit seinem fesselnden Gangsterporträt “Der König der Favelas” zwei Dinge gelungen: Einerseits stellt er den brasilianischen Drogenboss, Antônio Francisco Bonfim Lopes, kurz Nem, erschreckend sympathisch dar. Andererseits macht er bewusst, dass nicht nur Mexiko Schauplatz des Krieges gegen Drogen ist.

Glenny gelang mit  “McMafia” bereits 2008 ein Aufsehen erregender Bestseller, der die Schattenseite der Globalisierung thematisierte. Nun lenkt er den Blick hin zu einer hierzulande nahezu unbekannten Front: Jedes zehnte Mordopfer der Welt ist Brasilianer, zitiert er gleich zu Beginn. Jeder zweite Mord hat mit dem Krieg gegen Drogen zu tun.

Glenny gewährt einen faszinierenden Einblick in das Armenviertel Rocinha der Millionenstadt Rio de Janeiro. Detailliert schildert er die lokale Bedeutung der Drogenbosse für die Bewohner des Armenviertels und zeigt, welche Folgen es hat, wenn unfähige Herrscher an der Macht sind. Die Regentschaft von Nem beschreibt er als kurze Phase der Stabilität: Der Drogenboss wird zum Beschützer der Favela – in Zeiten, in denen die Bevölkerung jedes Vertrauen in Polizei und Staat verloren hat.

Die Sympathie, die der Autor dem Verbrecher entgegenbringt, mag vielleicht befremdlich wirken, macht das Phänomen aber besser begreifbar, als würde er die bösen Drogendealer verdammen.

7 von 10 Punkten

Misha Glenny: “Der König der Favelas”, übersetzt von Dieter Fuchs, Tropen-Verlag, 409 Seiten.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “Misha Glenny: Der König der Favelas

  1. Schurkenblog

    Mit diesem Buch liebäugle ich ja auch schon. Danke für deine Einschätzung, denn nun weiß ich, ich will es lesen.

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