Adrian McKinty: Gun Street Girl

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

“Gun Street Girl” ist bereits der vierte Teil der Sean-Duffy-Reihe des nordirischen Krimiautors Adrian McKinty. Erneut muss Duffy, der katholische Polizist, im protestantischen Belfast ermitteln. Als ein wohlhabendes Ehepaar ermordet wird und kurz darauf der Sohn in einem Abschiedsbrief die Tat gesteht, scheint alles klar. Doch nichts ist, wie es scheint.

McKinty schreibt nicht einfach nur sehr gut, sondern nahezu perfekt. Nichts kommt zu kurz: das Rätselhafte, die Ermittlerarbeit, starke Charaktere, Handlung, Humor und vor allem das zeithistorische Setting. Teil vier ist der stärkste Band der nicht gerade mit schwachen Teilen ausgestatteten faszinierenden Duffy-Serie.

Nur kurz zu meinen Leseerfahrungen: Ich brauche immer ein Kapitel, in dem mir McKintys Stil sogar sperrig vorkommt, doch spätestens dann entfaltet sich jedes Mal hohe Krimikunst. Einstiege mögen also nicht seine Stärke sein, aber da ist dann auch schon Schluss mit Schwächen. Selten schmunzle ich so oft beim Lesen von Krimis. Nicht unbedingt, weil McKinty so lustig ist (obwohl er schon einen feinen Humor hat), sondern weil ich mich einfach wohlfühle beim Lesen. Vielleicht grinse ich dann sogar schwachsinnig, alles möglich: Andere mögen das beim Blick in ihr Smartphone machen, bei mir ist das bei McKinty der Fall 😉

Ich habe einfach großen Respekt vor diesem Autor. Für mich ist er einer der ganz Großen des Genres. Wenn ihr mehr über ihn wissen wollt, schaut doch einfach einmal auf seinen äußerst unterhaltsamen Blog “The Psychopathology of Everyday Life”. Da erfahrt ihr, warum er Don Winslows “Das Kartell” für ein Meisterwerk hält (das auch sein “Favourite Book of 2015” war), welche Ridley-Scott-Filme Schrott sind und welche nicht oder was passieren kann, wenn man in Melbourne ohne Helm Fahrrad fährt. Besonders sympathisch finde ich seinen Beitrag “What Happened Next?”.

Die Serie im Überblick:

Der katholische Bulle

Die Sirenen von Belfast

Die verlorenen Schwestern

10 von 10 Punkte

Adrian McKinty: “Gun Street Girl”, übersetzt von Peter Torberg, Suhrkamp, 375 Seiten.

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12 Comments

Filed under Rezensionen

12 responses to “Adrian McKinty: Gun Street Girl

  1. Was ich dich schon immer mal fragen wollte, weil ich die Bücher immer oben auf dem Foto sehe: Wie sind denn so die alten Werke von McKinty im Vergleich zur Duffy-Reihe?

    • Ich muss gestehen: Von der “Tod”-Trilogie hab ich bislang nur den ersten Teil gelesen. Der hat mich damals echt positiv überrascht und auf ihn aufmerksam gemacht. “Ein letzter Job” war auch ein sehr feiner Kriminalroman. Er kann es einfach 😉

  2. wassollichlesen

    Dieses schwachsinnige Grinsen kommt mir sehr bekannt vor. Meinem Vater mittlerweile auch, seit ich ihm alle Teile geschenkt habe 🙂

  3. Ist “Gun Street Girl” eigentlich definitiv das Ende der Reihe? Ursprünglich sollte es ja eine Trilogie werden, bis ihm der Stoff zum vierten Band einfiel. Weiß jemand, ob er es dabei belässt? – Ansonsten freue ich mich auf weitere McKintys. Der nächste (bei Suhrkamp erscheinende) soll ja angeblich in tropischen Gefilden angesiedelt sein.

    • “Rain Dogs” heißt Band 5…;-) Aber welches Buch in tropischen Gefilden meinst du?

      • Okay, dann weißt du da schon mal mehr als ich. Das sind gute Nachrichten! – Ich kennen den Titel des Buches nicht und habe das nur nebenbei mitbekommen. War auf der Frankfurter Buchmesse und ich im Gespräch mit Übersetzer Peter Torberg am Liebeskind-Stand. Da kam jemand von Suhrkamp vorbei und sagte nur etwas davon, dass ein neuer McKinty auf Peter wartet. Diesmal was anderes und in tropischer Umgebung spielend (Karibik, Pazifik, was weiß ich). Wollte Peter deswegen nochmal kontaktieren. Bin ja neugierig. 🙂

  4. Cantona

    Die “Tod”-Reihe ist absolut empfehlenswert! Alle 3 Bände sind der Hammer! Freue mich schon auf die deutsche Übersetzung von “RAIN DOGS”, kommt hoffentlich sehr bald.

  5. martin

    Eventuell ist mit dem patifik roman “the sun is god” gemeint. Mit wahrem hintergrund über eine gruppe deutscher, die sich auf einer insel verschanzt und nur von kokosnüssen und “sonnenlicht” ernährt. Nebenbei: rain dogs hab ich auf englisch gelesen. Knüpft nahtlos an die vier genialen vorgänger an und hat ein wunderbar gutes ende.

  6. Habe vor ein paar Tagen versucht, in Carrickfergus Band 3-5 zu erwerben. Haken: Es gibt dort keine Buchhandlung. 10/10 klingt jedenfalls vielversprechend, hatte schon Angst, die Reihe wird schwächer, da er mir in letzter Zeit zu viel mit dem klassischen englischen Krimi verglichen wurde – Stichwort “Locked Room Mystery”.

    • Die Angst ist eigentlich unbegründet. Er baut einfach auch mal klassische Krimielemente ein, er spielt sehr gekonnt damit, ich finde das fein. Ist ja auch eine Hommage an das Genre.

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