Dennis Lehane: Am Ende einer Welt

(c) Diogenes

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Dennis Lehane ist einer meiner Lieblingsautoren. Ich mag dieses klassische Gangster-Genre – und ich mag einfach, wie er erzählt. Lehane ist für mich einfach Genuß pur. Es ist mir eigentlich egal, wohin er mich führt, ich folge ihm und vertraue ihm blind. Am Ende kommt immer eine gute Geschichte raus. Dialoge, Szenen, Charaktere – seine Bücher sind voll Leben, voll kleiner Wahrheiten, voll bedeutsamer Unbedeutsamkeiten. War ich schon von “In der Nacht” begeistert, bin ich es auch von “Am Ende einer Welt”.

Man könnte dem Buch vorwerfen, eine Kopie bzw. ein Klon des Vorgängers zu sein. Das mag sogar zutreffen, der Aufbau der beiden Geschichten ist letztlich sehr ähnlich. Aber mir war das egal, meine einzige Sorge war, dass dieses Buch auf alle Fälle zu früh enden würde. Das ist auch so eine Wirkung, die Lehanes historische Gangsterkrimis auf mich haben. So geht es mir sonst eigentlich momentan nur bei Adrian McKinty und William Shaw.

Inhaltlich spielt der Krimi etwas mehr als ein Jahrzehnt nach “In der Nacht”, im Jahr 1943. Mafioso Jack Coughlin hat sich nach dem Tod seiner Frau aus der ersten Reihe des organisierten Verbrechens zurückgezogen. Doch im Hintergrund ist er immer noch ein wichtiger Mann. Als er eines Tage erfährt, dass auf ihn ein Killer angesetzt wurde, kann er das kaum glauben. Steckt ein alter Feind dahinter?

“Es gab eine Regel in dem seltsamen Geschäft, das sie betrieben: Ziehe nie Familien in die Sache hinein. Es war eine geheiligte Regel, die über allen anderen stand, mit einer einzigen Ausnahme: Mach so viel Geld, wie nur geht. Dank dieser Regel konnten sie glauben, dass etwas sie von Tieren unterschied. Etwas, das ihrer Grausamkeit und ihrem Eigennutz eine Grenze setzte.”

Souverän entwickelt Lehane seine Geschichte, sein Buch ist auch ein Beziehungsroman. Jack Coughlins Beziehungen zu seinem Sohn, seiner Geliebten, seinen Freunden stehen im Zentrum. Da geht es um Verrat, Verlust und viele andere Dinge. Wie sauber kann man in einer schmutzigen Welt bleiben? Ich mag diese altmodischen Geschichten, die vielleicht schon oft erzählt wurden, aber nichts an Reiz verlieren. Vielleicht auch deshalb, weil sie immer auch Reisen in vergangene Zeiten inkludieren, uns an Vergangenem teilhaben lassen.

9 von 10 Punkten

Dennis Lehane: “Am Ende einer Welt”, übersetzt von Steffen Jacobs, 394 Seiten, Diogenes.

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1 Comment

Filed under Rezensionen

One response to “Dennis Lehane: Am Ende einer Welt

  1. Cantona

    Stimme 100%ig zu! Ein prima Buch! Sehr empfehlen kann ich auch seine Kenzie&Gennaro-Reihe! Hoffentlich kommt bald mal was Neues von Mr. Lehane.

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