William McIlvanney: Fremde Treue

(c) Verlag Antje Kunstmann

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Über die Bedeutung des schottischen Krimiautors William McIlvanney habe ich hier anlässlich seines Todes im Dezember 2015 geschrieben. Hätte es Ian Rankin als Krimiautor ohne McIlvanneys Vorreiterrolle überhaupt gegeben? Wo wäre Schottland auf der Krimiweltkarte ohne ihn?

Das im Vorjahr erschienene Buch “Fremde Treue” ist der Abschluss seiner “Laidlaw”-Trilogie. Von Teil eins, “Laidlaw”, war ich schwer begeistert. Auch Teil zwei, “Die Suche nach Tony Veitch”, war gut, mir persönlich aber zu philosophisch. Tja, und “Fremde Treue” ist nun eigentlich kein Kriminalroman, sondern ein philosophisches Buch, das sich mit Tod und Trauer auseinandersetzt. McIlvanney packt dabei immer wieder wunderbar gelungene Betrachtungen über die Welt aus, aber als Kriminalroman konnte es mich einfach nicht überzeugen.

Was wohl auch unfair ist, denn es ist einfach kein Kriminalroman. Das passt auch gut mit McIlvanneys Selbsteinschätzung zusammen, der sich selbst nie als Autor von Kriminalromanen sah, wie er auch im Mai des Vorjahres im Gespräch mit Marcus Müntefering auf “Krimi Welt” erklärte: “Ich hatte nicht vor, das Genre zu revolutionieren. Wie gesagt, ich wollte nicht einmal unbedingt einen Krimi schreiben.”

“Fremde Treue” ist also eine philosophische Spurensuche. Jack Laidlaw rekonstruiert die letzten Tage seines verstorbenen Bruders Scott, der auf tragische Weise bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Es ist immer ein Liebesbrief, wenn ein anderer einem erzählt, wer er wirklich ist. Man erlangt Bedeutung in dessen Leben.

Mein Fazit der “Laidlaw”-Trilogie: Während Teil eins zweifellos einer der besten Kriminalromane überhaupt ist, entfernt sich McIlvanney in Band zwei und drei zunehmend von dem Genre, dem er selbst ja auch nie unbedingt zugehören wollte. Ihn beschäftigten, losgelöst von der Handlung, tiefergehende Fragen, die er literarisch abhandelt. Wenn man so will begibt sich mit “Fremde Treue” nicht nur McIlvanney Figur Laidlaw auf die Suche der Identität seines Bruders sowie seinerselbst, sondern auch der Autor selbst.

Ich verzichte hier aus den erwähnten Gründen bewusst auf meine übliche Punktevergabe. Danke William McIlvanney, dass du der Welt gezeigt hast, dass Kriminalliteratur kein Schund ist.

William McIlvanney: “Fremde Treue”, übersetzt von Conny Lösch, 349 Seiten, Verlag Antje Kunstmann.

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