Seamus Smyth: Spielarten der Rache

(c) Pulp Master

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Wer Seamus Smyth liest, muss schon hartgesotten sein. Teilweise war es nur schwer erträglich, sein Buch “Spielarten der Rache” zu lesen. Kurzzeitig befürchtete ich sogar den totalen Super-Gau: Zwei ausgeflippte Serienkiller versuchen sich gegenseitig an Grausamkeit und Rafinesse zu übertreffen. Doch so banal ist Symth nicht. Letztlich bleibt das Wissen, dass ich wohl noch nie ein so bitterböses und düsteres Buch gelesen habe. Es sucht definitiv seinesgleichen.

Zum Inhalt (Verlagstext): Eine Frau bringt Zwillinge zur Welt, doch Armut zwingt sie, die beiden Jungen in ein katholisches Waisenhaus zu geben. Ein Zwilling stirbt an den Folgen von Misshandlungen durch christliche Klosterbrüder, der andere, Red Dock, überlebt und taucht ab in die kriminelle Welt Dublins. Red Docks machiavellistischer Feldzug beginnt mit der Entführung eines Babys. Es ist das Kind des Polizisten, der die Brüder einst ins Waisenhaus brachte. Der gekidnappten Lucille droht nun das gleiche grausame Schicksal. Doch Red Dock ist mit seiner heimtückischen Attacke gegen eine Welt, die ihn und seinen Bruder verstieß, noch längst nicht am Ende.

Unterhaltungsliteratur ist das keine. Wer hier durchhält, bekommt ein außergewöhnliches, aber nur schwer ertragbares Buch zu lesen. Ein Buch, das weh tut. Selten empfand ich beim Lesen so viel Abneigung. Dabei habe ich kein Problem mit Antihelden – aber das hier sind keine Antihelden, sondern verabscheuungswürdige Persönlichkeiten. Smyth zeigt, wozu der sexuelle Missbrauch tausender Kinder durch katholische Waisenhäuser und Erziehungsheime, der Mitte der 1990er Jahre aufflog, im Extrem führen kann. “Spielarten der Rache” ist ein Porträt zerstörter Seelen.

“Ich empfand Kriminelle als erfrischend aufrichtig. Sie wussten, was sie waren, und versuchten gar nicht erst, den Heiligen raushängen zu lassen.”

Literatur muss manchmal weh tun, das ist auch gut so. Aber Smyth hat die Grenzen für mich ein ganzes Stück verschoben. Er zwingt den Leser hinzusehen. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wieviele Bücher dieser Art ich lesen will/kann. Smyths Variation einer Rachegeschichte ist jedenfalls einzigartig. Und man merkt, dieser Kerl kann schreiben, bloß soll er sich das nächste Mal einfach ein weniger abgründiges Thema aussuchen. Bitte.

7 von 10 Punkten

Seamus Smyth: “Spielarten der Rache”, übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller, 266 Seiten, Pulp Master.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “Seamus Smyth: Spielarten der Rache

  1. Muss ich unbedingt noch nachholen, werde ich wohl auf meine Irland-Reise mitnehmen. Klingt ja nach genau der richtigen Lektüre zum Entspannen 😉

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