Malcolm Mackay: Der Killer hat das letzte Wort

(c) Fischer

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Malcolm Mackays Debüt “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” hat mich im Vorjahr überzeugt. Ich habe mich deshalb auch schon auf die Fortsetzung “Der Killer hat das letzte Wort” gefreut. Doch diesmal hat mich Mackay ein wenig genervt. Es ist eigentlich genau so, wie es Marcus Müntefering auf Krimi-Welt schreibt: “Immer wieder gelingen Mackay intensive Passagen, vor allem die Unterhaltungen unter den sich belauernden Kriminellen, die sich zumeist in Andeutungen ergehen, jede Eindeutigkeit zu scheuen scheinen, bereiten großes Lesevergnügen. Doch dann steht MacKay sich selbst immer wieder im Weg: Er ist geschwätziger als eine alte Witwe, die nur einmal in der Woche Besuch bekommt. Alles wird erklärt, ausgeschmückt, jede Szene in die Länge gezogen. Hier könnte ein Lektor Wunder wirken – auf 200 Seiten wäre dieser kleine Glasgow-Krimi sicherlich ein großes Vergnügen.” Hätte Jamis Sallis dieses Buch geschrieben, wäre es wohl perfekt geworden, so aber ist es wirklich geschwätzig, obwohl es eigentlich das Gegenteil sein will.

Mich hat aber noch mehr gestört. Im ersten Band hat mich Mackays ökonomische Sichtweise der Verbrecherwelt beeindruckt. Unnötige Gewalttaten schaden dem Geschäft usw. Doch diesmal hat es Mackay aus meiner Sicht übertrieben. Man bekommt das Gefühl, dass hier nur klug kalkulierende Geschäftsmänner am Werk sind. Das ist dann wohl doch eine naive Vorstellung von Verbrechern. Nur wenn es absolut notwendig ist, muss Blut fließen. Ich fürchte, hier spielen Emotionen – Geschäft hin oder her – allzu oft eine wichtige Rolle.

Nicht ganz glaubhaft war für mich auch, dass die erste Fehlleistung des alternden, aber absolut loyalen Killers Frank MacLeod innerhalb von 30 Jahren gleich zu derartigen Konsequenzen führt. Wäre die Verbrecherwelt nur auf absolute Profis, die niemals Fehler machen, angewiesen, dann gäbe es wohl keine Verbrecherwelt mehr. Verbrechen als reines Handwerk von Profis hochzustilisieren, das finde ich schon ein wenig befremdlich – und eben unglaubwürdig. Wenn schon Firmen Probleme habe, gute Leute zu finden, dann wird das ausgerechnet den Verbrechern gelingen. Ich glaube nicht, dass es für das Organisierte Verbrechen leistbar ist, einen alternden Killer nach einem Fehler auf die Abschussliste zu setzen. Noch dazu, wenn ausführlich beschrieben wird, wie perfekt dieser eigentlich sein muss, um den Ansprüchen der Verbrecherbosse zu genügen. Wo soll man solche Leute denn dann noch finden?

Ständig wird auch darüber nachgedacht, was die anderen denken und was in den anderen vorgeht. Als absolute Profis haben sie auch alle Verständnis für die Handlungsweisen ihrer Mit- und Gegenspieler. Hier werden meiner Meinung nach alle Figuren stark überhöht. Seltsam fand ich aber auch die Auswegslosigkeit der beiden Killer, des alternden Frank und des jungen Calum: “Er ist ein Killer und wird nie etwas anderes sein. Man lebt so lange als Killer, dass man einfach kein anderer Mensch mehr werden kann.” So ist es für Calum ein Problem, dass er seit Monaten eine Freundin hat. Denn: Killer müssen ein einsames Leben führen. Frank wiederum zieht Flucht als Möglichkeit nicht einmal wirklich in Betracht, oder die Chance irgendwo anders mit all seinem Geld ein neues Leben anzufangen. Eigentlich sind alle Figuren Mackays Gefangene – so kommt es einem zumindest vor.

Im Frühjahr 2016 kommt Teil drei auf den Markt. Und ich weiß nicht warum, aber ich werde es wie Marcus halten und auch dieses Buch lesen…

5 von 10 Punkten

Malcolm Mackay: “Der Killer hat das letzte Wort”, übersetzt von Thomas Gunkel, 370 Seiten, Fischer Verlag.

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