Vom Niedergang der Rezension?

Kürzlich bin ich auf Dieter Paul Rudolphs Text “Keine Kritik! Vom Niedergang der Rezension” gestoßen. Ich will dessen Lektüre ausdrücklich empfehlen und hier kurz darauf eingehen, weil er viel darüber aussagt, was mir beim Bloggen wichtig ist.

Ganz früher – ich erinnere mich noch vage – hießen Rezensenten nicht Rezensenten, sondern Kritiker. Ihre Aufgabe war es, ein Urteil über einen Gegenstand – z.B. ein literarisches Werk – zu fällen und man erwartete, dass sie diesen ihren Gegenstand von allen Seiten genau betrachteten und bewerteten. Ziel war eine „objektive Beurteilung“ auf der Grundlage von Kriterien und Regeln, die für Außenstehende kenntlich und nachvollziehbar sein mussten. Natürlich besaß diese „Objektivität“ stets eine subjektive Färbung und war demzufolge immer auch „Meinung“.

Genau um diese möglichst objektive und gleichzeitig begründete Betrachtung, die natürlich trotzdem Meinung bleibt, geht es mir. Ich will nicht in den Himmel loben und ich will nicht verdammen. Ich will den besprochenen Kriminalroman so gut wie möglich verorten, besser verständlich machen, warum er aus der Publikationsflut herausragt – oder eben nicht. Das soll aber nicht auf einem reinen Geschmacksurteil basieren. Wenn ich Probleme mit einem Buch habe, will ich dieses fair darstellen. Ein simples “Hat mir nicht gefallen” halte ich übrigens nicht für fair. Warum hat es mir nicht gefallen, das ist doch viel interessanter.

Nun ist es nicht so, dass ich der Kritik, wie sie heute noch im sogenannten „Qualitätsjournalismus“ angetroffen werden kann, besonders viele Tränen nachweinen würde. Häufig entpuppen sich die Ergüsse von Kritikern als Schaustücke eigener Gelehrt- und Belesenheit, sie sind – das Germanistikstudium lässt grüßen – mit Fachausdrücken durchsetzt, die sofort signalisieren, an wen man sich eigentlich richtet: an seinesgleichen.

Das sehe ich auch so. Journalismus ist leider nicht selten die Zurschaustellung seiner eigenen Gelehrtheit. Möglichst unverständlich zu formulieren, wird da schon mal als Gütesiegel betrachtet. Ich sehe das genau anders: Journalismus soll Themen und Inhalte verständlich machen – für jeden, und nicht nur für Gelehrte.

Die typische Blogrezension besteht aus 80 % Nacherzählung des Inhalts, ein paar Infos zum Produkt – und zumeist wenigen Sätzen, die das „Urteil“ des Bloggers wiedergeben. Von Auseinandersetzung, Urteilsbildung, Kriterien kaum eine Spur. Lässt sich gut lesen, hat mich gelangweilt, hübsches Cover – das wars dann schon.

Ich glaube (und hoffe!) nicht, dass das die typische Blogrezension ist. Das mag aber auch daran liegen, dass ich nur wenige, dafür aber sehr gute Krimiblogs lese – ebensolche, die nach den oben geschilderten Kriterien der Objektivität vorgehen. Mit inhaltlichen Nacherzählungen habe ich auch ein großes Problem, ich ertappe mich sogar immer wieder dabei, viel zu wenig über den Inhalt zu erzählen. Das ist dann wohl auch manchmal für meine Leser hinderlich, aber ich traue ihnen zu, sich gegebenenfalls selbst über die Inhaltsangaben zu informieren.

Und seien wir ehrlich: In den meisten Fällen geben die besprochenen Bücher auch nicht mehr her. O815-Mainstream, das ewige Serienmorden und Psychothrillern, die Sprache nur Transportmittel, Hauptsache schlackenlos und geschmeidig genug, in ein Ohr hinein und aus dem anderen folgenlos wieder entweichen zu können.

Wieder trifft es Dieter Paul Rudolph auf den Punkt. Ich habe sie auch satt, diese ewigen Serienmorde und furchtbar konstruierten Psychothriller. Aber ich glaube, ich schaffe es mittlerweile ziemlich gut, ihnen aus dem Weg zu gehen.

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3 Comments

Filed under Krim(i)skrams

3 responses to “Vom Niedergang der Rezension?

  1. Ein schöner Beitrag. Dankeschön. Zu den letzten Sätzen: geht mir mittlerweile als Viel-Thriller-Leserin haargenauso. Bemühe mich – langsam aber stetig- auch um andere Lesepfade. Meine letzte Rezension würde ich auch nicht unbedingt Rezension nennen wollen: aber es war auch nicht mehr zu sagen. Insofern trifft der Beitrag in`s Schwarze.

  2. Es gibt schon verschiedene Schichten bei den Blogs.
    Da gibt es die *Adelsschicht* wie Klappentexterin oder Buzzaldrin & Co., die es verstehen gute Texte zu schreiben, auch wenn im ersteren Fall absolut nicht mein Geschmack, und dann gibt es im anderen Extrem das *Lumpenproletariat*, wo irgendwelche Rezensionsexemplare grundsätzlich positiv besprochen werden und die Literatur, gelinde gesagt, auch nicht die gehobenste ist. Ich habe zu beiden keinen Kontakt und will auch keinen.
    Erstere brauchen irgendwie ihre virtuellen Streicheleinheiten und Bewunderung, letztere sind mir zu platt. Und beide sind mir schlicht und einfach auf je ihre Weise zu doof. Und alle beide besprechen sie Bücher, die mich nicht interessieren, ein ganz wichtiges Auswahlkriterium für ein Blog.
    Überhaupt ist es schwer ein Blog zu finden, welches einem zusagt: Die vorgestellten müssen stimmen, der Schreibstil aus. Bei einem Krimiblog war ich immer am überlegen, ob ich mich entfollowere, weil die Bloggerin mir sehr unsympathisch und mit ihrer Ausdrucksweise *Ich als Gebärmutterträgerin* sehr ordinär war.

    Fazit
    Von den Blogs und folglich den Rezensenten kann man gar nicht reden. Daher ist die Kritik an der Kritik sehr oberflächlich.

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