Meine Urlaubslektüre: Kriminalliteratur mal vier

(c) Crimenoir

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Kein Urlaub ohne gute Kriminalliteratur. Nein, das ist kein Lesestress, sondern Entspannung. Daher will ich diesmal auch nur kurz vermerken, was mich begeistert hat und was weniger.

Es begann mit Lee Childs “Way Out”. Ja, ich hatte mit Child eigentlich schon abgeschlossen, nachdem mich vor vielen Jahren “Sein wahres Gesicht” so gar nicht überzeugen konnte. Ich fand das damals ziemlich klischeehaft und platt. Noch kurz vor meinem Urlaub hatte ich “Der Anhalter” absolviert, Childs aktuelles Abenteuer, Band 17 der Jack-Reacher-Reihe. Laut amazon-Kritik düfte es das schwächste Buch der Reihe sein. Doch mir hatte es Geschmack auf mehr gemacht und so kaufte ich noch auf den letzten Drücker “Way Out”. Eine gute Entscheidung. Denn Child ist in seinem 10. Abenteuer noch besser in Form – bis zum Schluss. Dieser war bei “Der Anhalter” leider eher schwach, davor hatte mich aber auch dieses Buch gut unterhalten. Dieser Jack Reacher, der einsam und nur mit dem was er am Körper trägt, durch die USA reist, hat mich gepackt. Er sorgt für Gerechtigkeit – um jeden Preis. Ja, das ist bedenklich und so weiter – aber mir war es egal. Dabei dachte ich, Thriller seien nicht mehr so wirklich mein Ding. Doch “No Way” war die perfekte Urlaubslektüre – nicht zu anspruchsvoll, aber auch nicht niveaulos. Einfach spannend, mit trockenem Humor. Eine gute Mischung. Das ist große Schreibkunst. Fest steht, Lee Child steht demnächst wieder auf meinem kriminellen Leseplan, ich hätte am liebsten gleich noch einen Jack-Reacher-Roman verschlungen.

Danach folgte “Zurück auf Start” von dem griechischen Krimiautor Petros Markaris. Ich habe seinen Vor-Vorgänger “Zahltag” gelesen, den ich gut fand. Markaris gewährt uns eine einzigartige Innensicht von Griechenland. Sein Kommissar Kostas Charitos hat Charme, er ist ein Mensch wie du und ich. Er ist kein Ermittler, der knifflige Rätsel löst und so ziemlich das Gegenteil vom CSI-Superlabor-Wissenschafts-Wunderpolizisten. Ich habe im aktuellen Buch erfahren, dass Athen die aktuelle Krise brauchte, um endlich wieder staufreien Verkehr zu haben – denn niemand fährt mehr mit dem Auto, weil es sich niemand mehr leisten kann. Mit wenigen Szenen erzählt Markaris sehr viel. Allerdings ist mir die Krimi-Handlung bei ihm generell zu simpel gestrickt. Wie schon bei “Zahltag” geschehen drei Morde (bzw. Selbstmorde), ehe man dem Täter auf die Spur kommt, die auch wieder Botschaften hinterlassen. Das ist halt doch immer gleiche, sehr durchschaubare Schema. Letztlich ist dann egal, wer der Täter ist. Doch ich werde beim Lesen gern überrascht. Wer auf klassische Krimis steht, wird bei Markaris allerdings perfekt bedient.

“Angel Baby” von Richard Lange beginnt heftig. Man sollte sich aber von den ersten zwei, drei Seiten nicht abschrecken lassen. Langes US-mexikanisches Drogendrama hat mich, im Gegensatz zu Markaris, immer wieder echt überrascht. Er hat einen facettenreichen und fesselnden Kriminalroman mit vielen tragischen Figuren geschrieben. Das ist durchaus düsterer Stoff, mit faszinierenden (Anti-)Helden. Da steckt schon viel unter die Haut gehender Noir drin, bloß gegen Ende hin wird es dann ein wenig kitschig. Es ist zwar kein reines Happy End, aber es ist doch eine kleine Enttäuschung.

(c) crimenoir

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Sehr interessant war es, abschließend Don Winslows Frühwerk “London Undercover” zu lesen. Das Buch hat mir eines bewiesen: Winslow ist einer der vielseitigsten Schreiber guter Kriminalliteratur. Wer “Tage der Toten” oder zuletzt “Das Kartell” gelesen hat, wird sich schwer tun, diesen Autor mit “London Undercover” in Verbindung zu bringen. Winslows Neal-Carey-Reihe ist weit entfernt von Winslows schmerzhaftem Hyperrealismus seiner erwähnten Drogenepen. Das liest sich eher wie ein Trevanian-Kriminalroman (den Winslow ja laut “Satori”-Nachwort durchaus als Vorbild sah) oder sogar ein wenig wie ein Tim-und-Struppi-Abenteuer. Das ist nicht abwertend gemeint: Da gibt es einfach wirklich absurde Szenen, die einen zum Lachen bringen. Dass Winslow auch die Surferromane um Boone Daniels sowie die experimentellen Drogen-Krimis “Zeit des Zorns” und “Kings of Cool” geschrieben hat, ist eigentlich unglaublich. Er erfindet sich immer wieder neu. Ich finde das in einer Literaturwelt, die zunehmend auf Bewährtes und Erfolgreiches setzt, sehr beachtlich und bewundernswert. Mag sein, dass er seine besten Kriminalromane schon geschrieben hat, aber ideenloser Mainstream sieht anders aus.

 

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