Dave Zeltserman: Killer

(c) pulp master

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Leonard March, der für die Mafia 28 Auftragsmorde begangen hat, kommt nach vierzehn Jahren aus dem Gefängnis. Möglich wurde diese milde Strafe durch eine Aussage gegen seinen Ex-Boss Salvatore Lombard. Nun rechnet March damit, dass jeder Tag sein letzter sein könnte. Dennoch versucht er, ein normales Leben zu führen. Er zieht in einen kleinen Ort, nimmt einen Job als Putzkraft an und versucht, Kontakt zu seinen Kindern herzustellen.

So weit, so gut. Das hat das Zeugs für einen guten Krimi. Dave Zeltserman hat aus diesem Stoff jedoch ein kleines Meisterwerk gemacht. Denn “Killer”, seine Charakterstudie eines Mannes auf der Suche nach sich selbst, hat ein faszinierendes, erschütterndes und gleichzeitig zutiefst logisches Ende. Mehr will ich hier nicht verraten, das sollte einfach jeder selbst lesen.

Beeindruckt haben mich die “faden Alltagsszenen” dieses alles andere als guten Menschen Leonard March. Sein ernsthafter Versuch, sich ausgerechnet als Putzkraft durchzuschlagen, mutet ungewohnt an. Das hat man in der Kriminalliteratur wohl noch selten gelesen. Der eiskalte Mörder als Putzkraft – da spielt Zeltserman geschickt mit Genre-Klischees. Faszinierend fand ich auch die Szenen, in denen er, das Monster – so sehen ihn die meisten Leute – auf der Straße, im Kaffeehaus oder wo auch immer erkannt wird. Und auch die Annäherung an seinen Sohn, dem er fremd ist, ist sehr einfühlsam erzählt. Was muss in den Kindern eines Serienmörders vorgehen? Wie werden sie damit fertig?

Der Verlag pulp master wird für mich damit immer mehr zur fixen Größe für außergewöhnliche Kriminalliteratur abseits des Mainstreams. Stopp – falsch: Eigentlich ist er schon längst ein Leuchtturm. Sowohl “Götterdämmerung in El Paso”, “Dirty Old Town” und “Der Krake auf meinem Kopf” konnten mich zuletzt überzeugen. Da kann momentan eigentlich nur der neue, erst fünf Bücher alte Polar Verlag mithalten (ich sage nur: Gene Kerrigan und Ben Atkins; zu Atkins gibt es hier in Kürze mehr).

Das Buch ist übrigens – wenig verwunderlich – auf Platz 4 der KrimiZeit-Bestenliste im März eingestiegen.

Was meinen andere?

Nicole (mycrimetime) war schwer begeistert: “Auf den letzten Seiten gibt es da nämlich einen erkenne-dich-selbst-Orgasmus, der es in sich hat: ehrlich, schonungslos – und absolut emotionslos und gleichgültig.”

Marcus (krimi-welt) schreibt: “Am Ende findet Zeltserman eine ziemlich einleuchtende Antwort auf die Frage, wie sich ein Mann, dessen Job das Töten war (der aber davon abgesehen eine ziemlich bürgerliche Existenz führte), in einem Leben zurechtfinden kann, das nichts zu tun hat mit irgendetwas, das er kennt.”

8 von 10 Punkten

Dave Zeltserman: “Killer”, übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller, pulp master, 262 Seiten.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “Dave Zeltserman: Killer

  1. So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich den doch lesen werden. Eigentlich wollte ich ja direkt zum “Original” (The Hunter von “Richard Stark”) greifen. Was kleine Verlage angeht, bei denen man bedingungslos alles kaufen kann, finde ich die penser pulp Reihe bei diaphanes noch erwähnenswert. Da habe ich bisher auch noch keinen Kauf bereut.

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