KrimiZeit-Bestenliste im Februar: Ein Abgleich

(c) Heyne

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Die letzten Tage war ich offline, daher war es auch hier still. Ich habe aber die Zeit genutzt, um mir mal ein paar Klassiker des modernen österreichischen Krimis zur Brust (das ist sogar wörtlich gemeint – ja, ich lese gern liegend, das Buch auf der Brust aufgestützt, aber das nur am Rande) zu nehmen: Wolf Haas, Stefan Slupetzky, Thomas Raab (einen Metzger, nicht “Still”) und Heinrich Steinfest. Dazu hier in Kürze mehr!

Nun aber zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags. Während meiner Offline-Zeit ist die KrimiZeit-Liste für den Februar erschienen. James Lee Burkes “Regengötter” ist von Platz 1 gleich ganz aus dem Krimi-Ranking verschwunden. Dafür hat die Schottin Denise Mina mit “Das Vergessen” die Top-Position übernommen. Eine gute Wahl, wie ich hier demnächst schreiben werde. Dennis Lehane ist mit “The Drop” auf Platz drei eingestiegen – das konnte ich im ersten Moment gar nicht glauben, ich dachte, es handelt sich um einen Wiedereinstieg. Aber offenbar hatte es Lehane bisher tatsächlich nicht auf die KrimiZeit-Liste geschafft. Naja, das war dann also schon längst überfällig.

Was gibt es sonst zu sagen:

  • Jo Nesbos “Der Sohn” wurde mir erst kürzlich empfohlen. Das wäre eine gute Gelegenheit meinen blinden Fleck Nesbo zu beseitigen. Aber vielleicht hat ja jemand von euch einen Tipp, welcher Nesbo-Krimi tatsächlich unumgänglich ist.
  • Auf der Liste erwartet hätte ich mir Thomas Raabs “Still. Chronik eines Mörders”, aber vielleicht ist es dafür zu früh, da das Buch ja erst Mitte Jänner erschienen ist. Ich hoffe, dieses überall hymnisch besprochene Werk als Kontrast zu seiner Metzger-Reihe, die ja nun auch ins Fernsehen (“Der Metzger und der Tote im Haifischbecken” und “Der Metzger muss nachsitzen”) kommt, lesen zu können.
  • Beim Lesen des Verlagstextes von Jesper Steins “Weißglut” musste ich sofort an Nicoles Beitrag darüber denken, was sie nie wieder in Krimis lesen will (Stichwort: Der Ermittler, das Wrack): “… mit Vizekriminalkommissar Axel Steen geht es immer weiter bergab. Sein Haschischkonsum steigt, seine Todesängste fressen ihn auf und dann wird auch noch sein Intimfeind Jens Jessen, der neue Mann an der Seite seiner Exfrau Cecilie, in den Rang eines Polizeichefinspektors befördert und ist somit sein Chef. Erst ein neuer Fall, der ihn bis ins Mark trifft, reißt Axel aus seiner Lethargie: Nach einer Vergewaltigung werden DNA-Spuren gefunden, die zu dem Mord an Marie Schmidt vor vier Jahren passen; dem Mord, der Axels Ehe mit Cecilie ruinierte und beinahe das Leben seiner damals zweijährigen Tochter Emma gekostet hätte.” Viel mehr Wrack geht nicht. Und viel mehr persönliche Involvierung des Ermittlers – das wäre mein Wunsch an Krimiautoren, das doch endlich mal sein zu lassen – geht nun eigentlich auch nicht mehr. Denn das könnte nun mich zur Weißglut bringen (ich weiß, das war jetzt billig, aber so schön aufgelegt). Nahezu kein TV-Tatort kommt ohne diese Schiene aus. Ständig sind irgendwelche Verwandten oder Bekannten oder die Kommissare auf irgendeine Weise in die Fälle (mit Vorliebe irgendeine Beziehung zum Täter oder zum Opfer) selbst verstrickt. Für mich ist das mittlerweile ein starker Grund, die Finger von einem Krimi zu lassen – wenn nicht andere schwerwiegende Gründe dafür sprechen.

Die Liste im Überblick:

1 (2) Denise Mina: Das Vergessen
2 (-) Jesper Stein: Weißglut
3 (-) Dennis Lehane: The Drop – Bargeld
4 (-) Tana French: Geheimer Ort
5 (8) Oliver Harris: London Underground
6 (-) Norbert Horst: Mädchenware
7 (7) Andrew Brown: Trost
8 (-) Tony Parsons: Dein finsteres Herz
9 (9) Jo Nesbo: Der Sohn
10 (10) Nathan Larson: Boogie Man

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7 Comments

Filed under Krimi-Bestenliste

7 responses to “KrimiZeit-Bestenliste im Februar: Ein Abgleich

  1. My Crime Time

    Ausgerechnet auf Steins “Weißglut” freue ich mich ein wenig. Weil mir der erste Teil so gut gefallen hat – trotz des Ermittlerwracks. Weißt ja: Ausnahmen bestätigen die Regel. 😉 Und du nimmst meinen zweiten Teil der was-ich-in-Krimis-nicht-mehr-lesen-möchte-Reihe vorweg: dass die Ermittler viel zu häufig persönlich involviert werden. Wenn das jetzt auf “Weißglut” allerdings auch zutrifft … Na ja, ich sage mal so: das Buch hat eben ein paar Prioritätspunkte verloren. 😉

    • Lass dir den Lesespaß nicht verderben! Ja, ich habe das schon ein bissl gefürchtet, dass das dein nächster Teil sein konnte – wollte dich da nicht abschießen, aber das nervt wirklich 😉 Ich konnte mich einfach nicht zurückhalten und dein Beitrag ist ja sicher umfassender, freu mich schon darauf.

      • My Crime Time

        Keine Bange, abgeschossen hast du da bei mir gar nichts. Schließlich stören diese involvierten Ermittler nicht nur uns. 😉 Und ja, ein wenig mehr werde ich dazu schon noch schreiben. Aber noch existiert der Text nur in meinem Kopf. 🙂

    • Philipp Elph

      Mir hat Jesper Steins Unruhe nicht gefallen, deshalb werde ich auf Weißglut verzichten.

      • My Crime Time

        Siehste Philipp, damit hätten wir dann auch endlich mal ein Buch, bei dem wir unterschiedliche Meinung sind. 😉 Mir hat vor allem die Beschreibung der pol. Situation in Unruhe gefallen. Und die dazugehörigen gesellschaftlichen Mechanismen. Obwohl ich auch dem wrackigen Ermittler komischerweise viel abgewinnen konnte…

  2. Philipp Elph

    Von Nesbo haben mir Headhunter (kein Harry Hole) und Leopard besonders gut gefallen. Headhunter, weil ich lange Jahre besondere Beziehungen zu Headhuntern hatte und einige der Attituden dieser Spezies dort gut beschrieben sind. Leopard: Da hat mich besonders der Leopoldsapfel beeindruckt.

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