Krimis, die man 2015 lesen sollte (I)

(c) liebeskind

(c) liebeskind

Für Fans von Cormac McCarthy, Bruce Holbert und Kim Zupan (sowie James Lee Burke) dürfte Cynan Jones “Graben” geradezu eine Pflichtlektüre sein. Natur und Gewalt scheinen die Konstanten dieses dünnen Büchleins (176 Seiten) zu sein. Ich muss allerdings zugeben, dass ich, was naturphilosophische Krimikost betrifft, ein wenig gesättigt bin. Der Verlagstext könnte jedenfalls auf jeden der oben genannten US-Autoren zutreffen: “Cynan Jones beschreibt die Rückzugsgefechte zweier aus der Zeit gefallener Archetypen als eine Eskalation in albtraumhafter Zeitlupe. In einer glasklaren, suggestiven Sprache gelingt ihm ein kleines Meisterwerk über den ewigen Kreislauf aus Jagen und Gejagtwerden. Und darüber, dass jeder Mensch irgendwann an einen Punkt gerät, an dem alle Fluchtwege abgeschnitten sind und nichts mehr bleibt als die Konfrontation.” Einziger Unterschied: Jones ist kein Amerikaner, sondern Waliser. Das Buch ist seit 19. Jänner im Handel.

(c) Polar

(c) Polar

“Dead Money” von Ray Banks ist die erste von vielen Neuerscheinungen im Polar-Verlag. Im Monatstakt kommen da feine Krimis auf uns zu. Das vorliegende Buch ist das erste des schottischen Kultautors Ray Banks, das auf Deutsch erscheint. Darin führt laut Verlagstext “ein gezinktes Pokerspiel Alan Slater im Hause seines Freundes Les Beale dazu, dass sein bisher eher beschauliches Leben aus dem Ruder läuft. Eine Leiche muss entsorgt werden, Spielschulden sollen eingetrieben werden, die Slater selber nicht angehäuft hat. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um ein beschauliches Leben zwischen Sex und Alkohol weiterzuleben.” Wer meine Vorliebe für schottische Kriminalliteratur kennt, weiß dass daran für mich kein Weg vorbeiführt. Das Buch ist ebenfalls bereits im Handel erhältlich.

(c) btb

(c) btb

Doug Johnstone hat mit seinem Whiskey-Krimi “Smokeheads” bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Damals hatte ich allerdings die Befürchtung, dass dieser Krimi der Beginn einer Whiskey-Krimi-Serie sein würde – nach dem Motto: wechsle niemals ein funktionierndes Krimilabel (ich denke da nur an all die Koch- und Küchenkrimis). Womöglich noch mit Whiskey-Glossar etc. Tja, umso mehr war ich überrascht, als ich Anfang der Woche “Wer einmal verschwindet” (seit 12. Jänner im Handel) in der Buchhandlung entdeckt habe – ich habe es spontan gekauft (etwas, das ich immer seltener mache). Der Verlagstext klingt vielversprechend: »Ihre Frau hat Nathan heute nicht aus der Schule abgeholt. Ich hoffe, es gibt kein Problem?« Als Mark diesen Anruf von der Lehrerin seines Sohnes bekommt, denkt er sich nichts dabei. Wahrscheinlich steckt Lauren nur im Stau. Als er sie nicht erreichen kann, macht er sich keine Gedanken. Wahrscheinlich ist nur der Akku leer. Doch als Lauren über Nacht nicht nach Hause kommt, beginnt Marks schlimmster Albtraum.

(c) Droemer

(c) Droemer

Thomas Raabs “Still” (seit 14. Jänner im Handel) muss bei mir noch warten. Die “Chronik eines Mörders” werde ich bestimmt lesen, aber vorher will ich Raabs Metzger-Reihe kennenlernen. Ich weiß, als Österreicher hätte ich Raab schon längst lesen müssen, aber da sind halt all diese schottischen Krimis… Der Verlag schreibt: “Nur eines verschafft Karl Heidemann Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms dieser Welt: die Stille des Todes. Blutig ist die Spur, die er in seinem Heimatdorf hinterlässt. Durch sein unfassbar sensibles Gehör hat er gelernt, sich lautlos wie ein Raubtier seinen Opfern zu nähern, nach Belieben das Geschenk des Todes zu bringen. Und doch findet er nie, wonach er sich sehnt: Liebe. Bis er auf einen Schatz stößt. Ein Schatz aus Fleisch und Blut. Ein Schatz, der alles ändert.”

“Der Schneemann” hat übrigens bereits eine hymnische Kritik über “Still” verfasst, die wirklich neugierig macht: “Von Seite zu Seite mausert sich dieser dickliche, stumme Junge, der eine Spur von Leichen hinter sich herzieht, zum zumindest bemitleidenswerten Wesen. Seine Geschichte bewegt und weckt gleichzeitig ursprüngliche Ängste. Der Leser bleibt am Ende sprachlos zurück. Um nicht zu sagen: Still.” Pflichtlektüre also, nur noch nicht jetzt. Aber Vorfreude ist ja auch etwas Feines.

Advertisements

4 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte

4 responses to “Krimis, die man 2015 lesen sollte (I)

  1. Bei mir hat “Smokeheads” übrigens genau das Gegenteil ausgelöst: Ich fand die Krimihandlung abschreckend uninteressant und schlecht konstruiert. Die Beschreibung der verschiedenen Whiskeysorten hat mich allerdings einiges an Geld gekostet, dafür habe ich einige der damals erworbenen Flaschen heute noch.

    • Haha 🙂 Das verstehe ich gut. Dann hast du hoffentlich nie einen “Rain”-Krimi von Barry Eisler gelesen (das wäre dann unleistbar!) – da geht es ja auch sehr viel um Whiskey und Jazz.

  2. Alex

    “Wer einmal verschwindet” ist aus meiner
    Sicht leider eine ganz matte Angelegenheit. Schlecht gezeichnete Charaktäre, konstruierte Story, die sich mit fragwürdigen Entscheidungen der Hauptperson dahinschleppt um dann am Ende über die eigenen Füße zu stolpern.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s