11 Wege, zu guten Krimis zu kommen (III): Klein, aber fein

Klein, aber fein – gemeint sind jene Klein- und Kleinstverlage, die abseits riesiger globalisierter Verlagshäuser für das kämpfen, was ihnen ein Anliegen ist: außergewöhnliche Kriminalliteratur abseits des Mainstreams.

Pulp Master

(c) pulp master

(c) pulp master

“Als Label für Entdeckungen hat Pulp Master fulminante Bedeutung”, werden Arte-TV/Krimiwelt-Bestenliste auf der Pulp Master-Homepage zitiert. Normalerweise soll man solchen Bewerbungen ja misstrauen, doch in diesem Fall stimmt das. Ich habe hier etwa Rick DeMarinis, Garry Disher und Jim Nisbet entdeckt. Der wirklich sehr unregelmäßige Publikationsrythmus – Bücher werden meist erst Monate nach dem angekündigten Veröffentlichungsdatum publiziert (maximal zwei pro Jahr) – macht mir diesen Verlag erst so richtig sympathisch. In dieser perfekt durchgeplanten, selbstzufriedenen und korrekten Literaturwelt ist Pulp Master ein Paradoxon, ein Fehler im System, ein heiliger Störenfried. Wer Crime Fiction, Pulp Thriller und Noir sucht, sollte sich hier unbedingt seine Finger schmutzig machen.

Mit Beginn 2015 ist “Killer” von Dave Zeltserman erschienen. Marcus von Krimi-Welt hat das Buch bereits gelesen: Killer von Dave Zeltserman ist das, was man gemeinhin einen kleinen, schmutzigen Krimi nennt. Und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint.”

Ariadne Kriminalroman

(c) Argument Verlag

(c) Argument Verlag

Crime-Ladies first! Dass Krimis auch Frauensache sind, zeigt der Ariadne Kriminalroman seit 25 Jahren. Zuletzt erschien bei Ariadne der wohl ungewöhnlichste Krimi des Jahres 2014: “Lady Bag” von Liza Cody. Neben ihr schreiben hier die Französin Dominique Manotti und die Österreicherinnen Anne Goldmann und Clementine Skorpil. “Krimis sind für uns eine Widerstandskultur. Das muss man natürlich nicht genauso sehen, man kann auch einfach die spannenden Romane genießen, die wir bei Ariadne verlegen”, sagt Else Laudan.

Die gute Nachricht für das Jahr 2015: Codys Eva-Wylie-Trilogie (“Was sie nicht umbringt”, “Eva sieht rot”, “Eva langt zu” erscheint im April.

Polar Verlag

(c) Polar

(c) Polar

Der Polar Verlag grenzt sich vom klassischen “Whodunit” ab, mit dem ich persönlich große Probleme habe. Vor allem mit dieser Cozy-Crime-Schiene, wo in landschaftlicher Idylle gesittet gemordet, zwischendurch gekocht und irgendwann per Kreuzworträtsel der Mörder gefunden wird: “Der Polar erzählt von den Umständen eines Verbrechens, nicht vom bloßen Töten als Blutorgie. Der Polar ist und bleibt die Literatur der Krise.” Dem Verlag geht es um “Plots, die messerscharf die Gesellschaft analysieren. Aufbegehren. Unruhe stiften. (…) Wir suchen den Widerspruch.”

2015 stehen wirklich spannende Neuerscheinungen auf dem Programm: “Dead Money” von Ray Banks (Jänner 2015), “Stadt der Ertrinkenden” von Ben Atkins (Februar 2015), “Paris, die Nacht” von Jérémie Guez (März 2015), “Kaliber” von Ken Bruen (April 2015) sowie “Cutter und Bone” (ein in Vergessenheit vergessenes Meisterwerk) von Newton Thornburg (Juni 2015)

Außerdem bietet der Verlag seit Kurzem das Gratis-Online-Magazin polar-noir an. Empfehlen will ich in diesem Zusammenhang Sonja Hartls (zeilenkino) Interview mit Dennis Lehane. Auf die Frage, was er unter Noir verstehe, antwortet Lehane: “Die Tragödie der Arbeiterklasse. In einer klassischen Tragödie fällt der Held vom Gipfel eines Berges. Im Noir, fällt er von der Bordsteinkante.” Das ist eine wirklich schöne Definition.

Metrolit, liebeskind und Tropen

Nach dem Erfolg von Nic Pizzolattos “Galveston” sollen auch im Metrolit-Verlag künftig regelmäßig Noir-Romane erscheinen. Im März erscheint als erster Schritt in diese Richtung “Florida Forever” von Harry Crews. Auch bei den Verlagen liebeskind (demnächst erscheinen Pete Dexters “Unter Brüdern” und “Graben” von Cynan Jones) und Tropen bei Klett-Cotta (“Dunkle Stadt Bohane” von Kevin Barry) suche ich gerne nach außergewöhnlichen Krimis.

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2 Comments

Filed under 11 Wege, zu guten Krimis zu kommen

2 responses to “11 Wege, zu guten Krimis zu kommen (III): Klein, aber fein

  1. Oha, vielen Dank für die nette Erwähnung und Verlinkung. 🙂 Es ist wohl wenig überraschend, wenn ich hier erwähne, dass ich die Programme der oben genannten Verlage immer besonders genau studiere. Außerdem würde ich noch Edition Nautilus und den Alexander Verlag ergänzen – und in diesem Frühjahr hat der Pendragon Verlag ebenfalls ein sehr interessantes Krimi-Programm.

  2. Ich habe mich erst vor ein paar Tagen mit meinem Kollegen über den Disher unterhalten, den wir beide außerordentlich gut fanden. Dann kam eine eher zartbesaitete Kollegin dazu, die etwas dazu wissen wollte, worauf mein Kollege nur meinte: “Das ist mit Armbrüsten und so. Das ist nichts für dich.” Besser kann man dieses Buch kaum beschreiben. Legendär auch deren Website mit dem gestreckten Bela B. Werbefoto (http://pulpmaster.de)

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