Joe R. Lansdale: Das Dickicht

(c) Tropen

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Vor einem Jahr habe ich hier über Joe R. Lansdales Kriminalroman “Dunkle Gewässer” geschwärmt: “Er versteht es, Bilder zu schaffen, mit Sprache kreativ umzugehen und Charaktere innerhalb nur weniger Seiten so zu erschaffen, dass man sie lange bei sich behält.” Tja, das ist bei “Das Dickicht” nicht viel anders. Lansdale ist eine Art moderner Mark Twain – nur blutiger und trashiger. “Das Dickicht” liest sich mitunter auch wie eine Hommage an Twain, nimmt Lansdale doch gleich dreimal Bezug auf sein literarisches Vorbild.

Und es scheint so, als habe er ein Faible für Reisende. Waren es bei “Dunkle Gewässer” ein paar Jugendliche, schickt er diesmal zwei Kopfgeldjäger, ein Schwein, einen Jugendlichen, eine Prostituierte und einen Sheriff auf eine Reise, die nicht alle überleben werden. Gesucht wird die entführte Schwester des jugendlichen Jake.

Spaß beim Schreiben hatte Lansdale, der gerne auch Horrorgeschichten erzählt, auf alle Fälle. Was die ersten 150 Seiten gewohnt stimmig ist, droht plötzlich aber in Klamauk abzudriften. Zu sehr hat sich Lansdale hier offenbar in witzige, pointierte Dialoge und Beschreibungen verliebt – er habe Atmosphäre durch Humor ersetzt, nennt das Nicole treffend in ihrem Blog My Crime Time. Allerdings scheint er das auch erkannt zu haben, denn er kratzt dann mit überraschender Tiefsinnigkeit hier oder feinfühliger Beobachtung dort gerade noch die Kurve.

Lansdales Buch bietet auch ein perfekte Zeitreise. Er schreibt von Öltürmen, die die Landschaft verschandeln und Automobilen, die Pferde ablösen. Falsche Nostalgie – die Geschichte spielt Anfang des vergangenen Jahrhunderts – kann man Lansdale dabei aber nicht vorwerfen. Und ist es wohl auch kein Zufall, dass ausgerechnet alle Autofahrer, denen die Reisenden begegnen, in “Das Dickicht” den Tod finden.

7 von 10 Punkten

Joe R. Lansdale: “Das Dickicht”, übersetzt von Hannes Riffel, 331 Seiten, Tropen Verlag.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “Joe R. Lansdale: Das Dickicht

  1. Jetzt hast du hintereinander genau die drei Romane besprochen, die ich unbedingt noch dieses Jahr lesen wollte, die ich aber nicht mehr schaffen werde: Laidlaw, Einsame Tiere, Das Dickicht. Ich stelle hiermit den Antrag, das Jahr noch etwas zu verlängern.

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