Krimis, die man 2014 lesen sollte (XI)

(c) rororo

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Der November hat aus meiner Sicht nur wenige interessante Krimi-Neuerscheinungen gebracht. Mit einer Ausnahme: Cormac McCarthys “Ein Kind Gottes” (seit 28. November im Handel) ist im Original bereits 1973 erschienen und wird nun erstmals auf Deutsch publiziert. Im Zentrum der Geschichte steht Lester Ballard – ein von der Gesellschaft Verstoßener. Er ist einsam und gewalttätig. Das erinnert mich sehr an Bruce Holberts Western-Krimi “Einsame Tiere”, über den ich hier in Kürze schreiben werde. Ballard sei ein “asoziales, nekrophiles, mörderisches Monster”, schreibt dazu Hans Jörg Wangner in der Kolumne “Killer & Co” der Stuttgarter Zeitung. Und dennoch gelinge McCarthy ein außergewöhnliches Kunststück: “Sein Lester Ballard ist alles andere als eine unsympathische Figur.” Das macht in der Tat neugierig.

(c) Dumont

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Und jetzt mach ich mal etwas, was ich sonst nicht tue: Ich habe soeben ein spannend klingendes Buch entdeckt, das allerdings schon Anfang Oktober 2013 erschienen ist. “Bienensterben” von Lisa O’Donnell hat eine laut Verlagstext ziemlich geniale Ausgangssituation: Heiligabend in Glasgow. Die fünfzehnjährige Marnie und ihre kleine Schwester Nelly haben gerade ihre toten Eltern im Garten vergraben. Allzu viel Geld verdient Marnie als Gelegenheits-Dealerin nicht – so ist es ihnen ganz recht, als ihr alter Nachbar Lennie, stadtbekannter (vermeintlicher) Perversling, sich plötzlich für sie interessiert. Er nimmt sich ihrer an und gibt ihnen so etwas wie ein Zuhause. Das klingt nach schräger Lektüre – eventuell auch empfehlenswert als Gabe unter dem Weihnachtsbaum für Krimifans mit Vorliebe abseits des Mainstreams.

 

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4 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte

4 responses to “Krimis, die man 2014 lesen sollte (XI)

  1. Beide Krimis befinden sich auch auf meiner Einkaufsliste, werde ich mir wohl demnächst in einem Schwung mit “Regengötter” besorgen (Ja, ich weiß, ich bin spät dran). Ansonsten finde ich es noch erwähnenswert, dass bei Heyne Hardcore “Die Verdammten” von Jim Thompson in einer Übersetzung vom genialen Gunther Blank (z.B. “Galveston”) erscheint. Außerdem überlege ich noch, mir den neuen Nick Cave (“Und die Eselin sah den Engel”) zuzulegen, der scheint mir thematisch gut in die Reihe Holbert/McCarthy zu passen. Achja, und Tony Parsons. Woher nur all das Geld nehmen? Man kann nur auf Weihnachten hoffen.

    • “Regengötter” wird hoffentlich mein Jahresabschluss-Highlight – nach all den hymnischen Kritiken bin ich schon sehr gespannt. Fein, dass du die “Die Verdammten” erwähnst – das kommt auch sicher auf meine Dezember-Empfehlungen.

      • Ich hoffe ja, dass da noch ganz viel folgen wird. Heyne Hardcore ist sowieso eine sehr interessante Reihe. Zum einen richtig schlechte, zum anderen richtig gute Bücher. Das verstehe wer will. Zu Jim Thompson und der Heyne-Neuauflage werde ich auf jeden Fall einen längeren Beitrag in meiner Januar-Sendung haben. Sobald die gelaufen ist, findest du sie auf meinem Blog. Nur, falls du dich für das Thema interessierst.

      • Du triffst das genau auf den Punkt – teilweise wirklich richtig schlecht und teilweise richtig gut, ein seltsames Phänomen eigentlich. Ich habe mir gestern auch deinen Blog angesehen – sehr fein, kompetenten Zuwachs in der Krimigemeinde zu bekommen 🙂

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