Gene Kerrigan: Die Wut

(c) Polar

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In Gene Kerrigans Krimi “Die Wut” sind weder Verbrecher noch Polizisten davor gefeit, dem titelgebenden überwältigenden Gefühl nachzugeben. Mit anderen Worten: Das Gefühl von Wut kennt kein Gut und Böse. Kerrigan hat mit diesem lupenreinen Noir 2012 den begehrten “Gold Dagger Award” gewonnen – zu Recht.

Kerrigans Geschichte spielt in Irland am Höhepunkt der Immobilienkrise. Wohin man sieht, gibt es Verlierer. Als in dieser aufgeladenen Atmosphäre ein Banker ermordet wird, zeigt sich schon bald, wie die Dinge so laufen. Die Polizeiarbeit gerät ins Hintertreffen, politische Interessen treten in den Vordergrund. Wer warum getötet hat, interessiert schon bald außer einem engagierten Polizisten niemanden mehr. Genauso wie es niemanden interessiert, dass ein Berufsverbrecher, der sich gerade ergeben will, von der Polizei erschossen wird. Niemanden, außer seinem Bruder, der ebenfalls die kriminelle Laufbahn eingeschlagen hat.

Was vereint nun den gegen Windmühlen kämpfenden Polizisten und den Verbrecher? Das Gefühl der Wut. Denn in dieser Welt der Gleichgültigkeit gibt es offenbar nur dieses Ventil, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Kerrigan hat ein authentisches, glaubwürdiges und düsteres Buch geschrieben, in dem Verbrecher, Polizisten und Zivilisten nur unwichtige Nebendarsteller sind, wenn es gilt nationale Einheit angesichts der Krise zu demonstrieren.

“Die Wut” bietet keine Wohlfühllektüre, sondern zeigt, wie Menschen, die unter Druck geraten, in Ausnahmesituationen ticken. “Die Wut” zeigt, wie schwer eine Gewaltspirale zu stoppen ist, wenn sie sich erst einmal zu drehen begonnen hat – denn jede Handlung zieht unausweichlich Konsequenzen nach sich. “Die Wut” ist somit auch eine Art Spiegel – ein Spiegel, in den wir nicht sehen wollen.

Das meinen andere Blogger:

“Mehr Noir geht nicht. Mehr Wahrhaftigkeit aber auch nicht. Sehr beeindruckend”, zeigt sich Nicole auf mycrimetime begeistert. “Gene Kerrigan schreibt anders, keine simple Whodunit-Story, kein cosy-crime, keine Schenkelklopfer-Comedy. Kein melancholischer Alk als Cop”, meint Philipp bei Krimilese.

8 von 10 Punkten

Gene Kerrigan: “Die Wut”, übersetzt von Antje Maria Greisiger, 292 Seiten, Polar Verlag.

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