Jim Nisbet: Der Krake auf meinem Kopf

(c) Pulp Master

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Danke, Pulp Master, dass es euch gibt! Dieser kleine, feine Verlag steht für Krimiperlen abseits des Mainstreams. Auch wenn mich Jim Nisbets “Der Krake auf meinem Kopf” nicht ganz so begeistert hat wie die zuletzt erschienenen Bücher “Dirty Old Town” von Garry Disher und “Götterdämmerung in El Paso” von Rick de Marinis: Ein lautes Danke für Krimikost, die ohne schrullige Kommissare, Gourmet-Ermittler und Morden in Reiseführer-Landschaften auskommt.

Im Zentrum des Roman steht der titelgebende Mann mit der Krake auf dem Kopf (der ist dort tätowiert), Curly Watkins. Der abgehalfterte Musiker besucht seinen alten Musikerkollegen Ivy und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Als dann auch noch Ex-Freundin Lavinia auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse rasch.

Dennoch erzählt Nisbet nicht nach klassischen Krimimustern. Sein Erzähltempo ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Aber immer genau dann, wenn man denkt, jetzt verliert er den Faden und driftet in Belanglosigkeit ab, immer dann überrascht Nisbet seine Leser mit irgendeiner Wendung. Dass er nach fast zwei Drittel auf einmal die Erzählperspektive vollkommen überraschend wechselt, überrascht dann schon kaum mehr. Und noch selten hat es mich so wenig gestört, dass ein Serienmörder (wer diesen Blog liest, weiß ja mittlerweile, dass Whodunits und Serienmörder-Krimis so gar nicht meines sind) in einer Geschichte vorkommt.

Nisbet erzählt mit bitterbösem Humor über Verlierer – aus der Sicht von Verlierern. Das liest sich dann etwa so: Als der knapp dem Tod von der Schaufel gesprungene Curly im Spital aufwacht und die zwei TV-Geräte im Zimmer schwarz sind, erklärt ihm Ivy (der diese abgedreht hat):

“Es muss die Hölle sein, aus dem Reich der Toten zurückzukehren und festzustellen, dass die Belohnung für das Überleben im täglichen Fernsehprogramm besteht.”

Hier zur wohlwollenden Kritik auf Kriminalakte: “‘Der Krake auf meinem Kopf’ ist ein feiner, schwarzhumoriger Noir und ein interessantes Porträt von San Francisco und wie sich die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten veränderte.”

6 von 10 Punkten

Jim Nisbet: “Der Krake auf meinem Kopf”, übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller, 320 Seiten, Pulp Master.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “Jim Nisbet: Der Krake auf meinem Kopf

  1. Coole Rezension.. scheinbar besser als das Buch..

  2. Danke! Naja, so schlecht ist das Buch ja nicht. Aber ich bin im Moment ziemlich verwöhnt mit guten Krimis 😉

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