Abgebrochen: Die Verdammten

(c) Bastei Lübbe

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Tja, so kann man sich irren. Bei meinen Juni-Tipps war ich mir recht sicher, dass dieses Buch genau nach meinem Geschmack sein könnte. Doch nach 130 Seiten war bei “Die Verdammten” Schluss. Peter Lineys Buch konnte mich von der ersten Seite an nie so wirklich fesseln. Ich blieb seltsam distanziert. Es ist eine brutale Welt, die er beschreibt, die mir allerdings gleichgültig blieb. Wohl auch deshalb, weil er mich von seiner Welt einfach nicht überzeugen konnte.

Hauptfigur Clancey ist ein ins Alter gekommener harter Knochen, der wie alle Alten und Kranken auf eine Insel ausgelagert wurde. Früher war er einmal für die Mafia tätig, aber irgendwie war er nie ein richtig übler Typ – da hakt es schon einmal bei der Glaubwürdigkeit. Das liest sich wie eine Masche, wie aus einem Krimi-Lehrbuch: Harter Typ mit weichem Kern. Gähn.

Das besondere an der Insel der Verdammten: Wenn der Nebel kommt, kommt auch das Grauen. Die Alten werden dann brutal abgeschlachtet. Und der Nebel kommt oft. Zu Beginn ist nicht klar, wer sich im Nebel verbirgt. Als Liney dieses Geheimnis lüftet, wird die Geschichte für mich nicht gerade glaubwürdiger. Keine Sorge: Es handelt sich um keinen Horror-Roman, aber das macht es nicht besser.

Ein besonderes Ärgernis stellt der Rückentext des Buches da: “Eines Tages entdeckt Clancey ein geheimes Tunnelsystem, in dem ein blindes Mädchen lebt”. Tja, wenn über 30-jährige Frauen auch Mädchen sind, dann stimmt das.

Spannung kam nie wirklich auf, die Personen interessierten mich nicht und die von Liney erschaffene düstere Welt blieb einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Da lobe ich mir Nathan Larsons “2/14” im Vergleich. Und auch Adam Sternberghs “Spademan”, das mich ja nicht so begeistert hat, war zumindest atmosphärisch um Welten besser.

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1 Comment

Filed under Abgebrochen

One response to “Abgebrochen: Die Verdammten

  1. My Crime Time

    Siehste mal, ich sehe das erneut ganz anders. Normalerweise mag ich es nicht, wenn ich als Leser in einem Buch direkt angesprochen werde. Aber Clanceys locker-schnoddriger Plauderton, der ja schon irgendwie im krassen Gegensatz zu dieser brutalen Welt steht, hat mich von Anfang an gepackt. Ich bin ihm wirklich gerne durch den Nebel der Grausamkeiten gefolgt. Okay, mit der Zeit wurde es auch mir ein wenig langweilig, aber das war weit nach Seite 130. 😉 Und so weich/hart ist Clancey auch gar nicht unbedingt. Er hat sich seiner Umwelt angepasst, ja. Er geht mit sich und der Gesellschaft aber auch ziemlich hart ins Gericht. Und der dystopische Aspekt ist ziemlich gekonnt, weil äußerst logisch, herausgearbeitet – und zwar ohne, dass sich Liney dabei wiederholt oder einfach nur an der Oberfläche kratzt. Fand ich persönlich mal ganz erfrischend.

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