Bonnie & Clyde – ein Blick hinter den Mythos

(c) Residenz Verlag

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Vor 80 Jahren starb das wohl berühmteste Gangsterpaar der Kriminalgeschichte im Kugelhagel. Ihr wisst natürlich, wer gemeint ist: Bonnie & Clyde. Tja, und wer erinnert sich nicht an den Film mit Warren Beatty und Faye Dunaway in den Hauptrollen: Makellos bis in den Tod. Bloß stimmt das halt nicht so ganz, wie nun die deutsche Autorin Michaela Karl in ihrem Buch zu erklären versucht.

Sie macht den Mythos verständlich und verortet das Phänomen der beiden “Sozialbanditen” in der tristen wirtschaftlichen Lage während der Großen Depression. Ich habe das auch im meinem Artikel mit dem Titel “Der uncoole Tod eines Verliererpaars” zusammengefasst. Beeindruckend an dem Buch ist die Beschreibung der Wandlung, die Clyde Barrow im Gefängnis durchmacht. Aus einem kleinen Hühner- und Autodieb wird eine tickende Zeitbombe, die vor Mord nicht zurückschreckt.

Ich will hier nur zwei weitere interessante Aspekte des Buchs erwähnen, das ich jedem empfehlen kann, der sich für Dillinger und Co. interessiert. So seien die beiden zu Lebzeiten kleine Fische gewesen – im Vergleich zu Dillinger & Co. und auch im Bewusstsein der Nation nur wenig präsent, schreibt Karl: “Im Mittleren Westen waren sie Stars, aber schon an der Ostküste interessierte sich kaum jemand für sie. Nicht einmal die berühmten Kollegen hielten viel von ihnen. In deren Kreisen galten sie als schießwütige Teenager, die Tankstellen überfielen und Tante-Emma-Läden ausraubten. Und dass sie schossen, ohne nachzudenken, gefiel einem John Dillinger, der sich zum Gentleman-Räuber stilisierte, überhaupt nicht.”

Sie wurden also erst nach ihrem Tod über die Region des Mittleren Westen hinaus hochstilisiert. “Doch selbst dann, wenn man sich dessen bewusst ist, dass die Geschichte von Bonnie und Clyde weniger heldenhaft ist als gemeinhin angenommen, lassen sich aus ihr einige Lehren ziehen”, schreibt Karl weiter. “Ihre Geschichte, die ja vor allem auch die Geschichte einer katastrophalen Wirtschafts- und Sozialkrise ist, ausgelöst durch die nicht enden wollende Gier des Menschen, zeigt zudem, was geschehen kann, wenn Menschen zur Verzweiflung getrieben werden und jegliche Hoffnung verlieren.”

Wer das Buch gelesen hat, kann zwar weiterhin an die Liebesgeschichte von Bonnie und Clyde glauben. Dass das Gangsterpaar sexy und cool war, daran wird man nach der Lektüre aber nur mehr schwer glauben können.

Michaela Karl: “‘Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall!’ Die Geschichte von Bonnie & Clyde”, 301 Seiten, Residenz Verlag.

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1 Comment

Filed under Krim(i)skrams

One response to “Bonnie & Clyde – ein Blick hinter den Mythos

  1. Philipp Elph

    …wie das so ist mit Mythen. Häufig werden die Helden entzaubert.

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