Lyndsay Faye: Der Teufel von New York

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“Wer 2014 nur einen Krimi lesen will, der soll hier zugreifen”, habe ich im März über Jan Costin Wagners “Tage des letzten Schnees” geschrieben. Eigentlich hätte mir schon damals klar sein müssen, dass eine solche Empfehlung Unsinn ist. Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich hier nur zwei Monate später schon wieder 10 von 10 Punkten vergeben werde (und so unglaublich es klingen mag, ich werde es in Kürze wieder tun!). Lyndsay Fayes historischer Krimi “Der Teufel von New York” spielt im Jahr 1845 und ist aus meiner Sicht perfekt gelungen. Sie war damit 2013 auch zurecht für den Edgar Award nominiert.

Timothy Wilde gehört der soeben gegründeten Polizei von New York an. Er hat den Job nur aus Not angenommen und will ihn eigentlich hinschmeißen. Da läuft ihm eines Tages ein kleines Mädchen in einem blutdurchtränkten Nachthemd über den Weg. Als dann kurz darauf auch noch 19 vergrabene Kinderleichen gefunden werden, erwachen in Wilde endgültig die Ermittler-Instinkte.

Es ist eine fesselnde Zeitreise. Das New York des Jahres 1845 ist stark geprägt vom Konflikt zwischen den katholischen irischen Einwanderern und den alteingesessenen Protestanten. Faye verdeutlicht das immer wieder mit historischen Zitaten zu Beginn der Kapitel. So schrieben Amerikanische Protestanten “zur Verteidigung der Bürgerlichen und Religiösen Freiheit gegen den Vormarsch des Papsttums” im Jahr 1843: “… die papistischen Länder Europas spucken Jahr um Jahr ihre ungebildeten, abergläubischen und degenerierten Bewohner an unsere Küsten, und zwar nicht zu Zehntausenden, sondern zu Hunderttausenden, und diese strecken sogleich ihre Hände nach den höchsten Privilegien der einheimischen Bürger aus, ja sogar nach dem Land selbst.” Iren galten als Abschaum und waren noch weniger gern gesehen als Schwarze.

Spannend ist es auch, die Entstehung des berühmten New York Police Department (NYPD) nachzuverfolgen. Faye lässt zudem immer wieder Ausdrücke aus dem “Flash”, der New Yorker Gaunersprache, einfließen. Das wirkt authentisch. Außerdem spielt die Parteizugehörigkeit eine wichtige Rolle. In einer der beeindruckendsten Szenen des Buches wird die Stimmabgabe an der Wahlurne geprobt – auch wenn pöbelhafte Mitglieder der gegnerischen Partei anwesend sind.

Das Buch lebt aber vor allem von seiner Hauptfigur Timothy Wilde und den feinfühlig geschilderten Beziehungen zu dem kleinen Mädchen und Wildes draufgängerischen Bruder Valentine. Begeistert hat mich auch, dass Faye nicht einfach einen irren Serienmörder sein Werk hat verrichten lassen. Im Gegenteil, Faye löst die Geschichte mit vielen Wendungen überzeugend auf. Sie hat ein feines Gespür für die Charakterzeichnung. Ihre Figuren sind vielschichtig – nicht einfach schwarz und weiß.

Faye hat ein beeindruckendes Debüt voller einprägsamer Charaktere und interessanter historischer Details geschrieben. Und die gute Nachricht zum Schluss lautet: Timothy Wilde geht in Serie!

10 von 10 Punkten

Lyndsay Faye: “Der Teufel von New York”, übersetzt von Michaela Meßner, 477 Seiten, dtv premium.

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6 Comments

Filed under Rezensionen

6 responses to “Lyndsay Faye: Der Teufel von New York

  1. Dieses Debüt ist wirklich beeindruckend. Mir hat es auch sehr gut gefallen und ich bin gespannt, wie diese Reihe weitergeht :-).

  2. My Crime Time

    Wie es der Zufall so will, habe ich genau dieses Buch gestern ausgelesen. Ich sag mal so: Wir sind wieder sehr unterschiedlicher Lesemeinung, lieber Peter. Meine Rezension folgt dann nächste Woche. 🙂

  3. Pingback: Pseudo-Monster in Gesellschaftskulisse: „Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye | My Crime Time

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