Bernhard Aichner: Totenfrau

(c) btb

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Ich bin beruhigt! Denn seit wenigen Tagen weiß ich: Auch Österreicher können Thriller der Extraklasse schreiben. Der Tiroler Bernhard Aichner hat das mit “Totenfrau” eindrucksvoll bewiesen, wie ich auch ausführlich unter dem Titel “Eine Bestatterin als Racheengel” geschildert habe. Es überrascht also nicht, dass sich sein Buch bereits in die USA und Großbritannien verkauft hat – übrigens noch ehe es nun auf Deutsch erschienen ist. Das ist wirklich ein toller Erfolg. Eine Verfilmung ist ebenfalls geplant.

Und das Buch ist tatsächlich ein perfekter Thriller, der keinen Vergleich mit namhaften internationalen Autoren zu scheuen braucht: Auf 446 Seiten treibt Aichner seine Geschichte rund um die Bestatterin Brünhilde Blum, die zum Racheengel wird, gekonnt und rasant voran. Beim Lesen entsteht schnell das Gefühl, dass man das Buch verschlingt. Zurückzuführen ist das allerdings auch auf die über 120 Leerseiten vor den 49 Kapiteln – ohne die wäre “Totenfrau” eigentlich nur knapp über 300 Seiten lang.

Nun kommt das kleine “Aber”. Als Thriller ist “Totenfrau” perfekt. Vielleicht sogar zu perfekt, denn das Buch wirkt dadurch stellenweise ein wenig zu glatt. Manches (böse Männer in österreichischen Kellern) ist zu plakativ. Lokalkolorit fehlt fast gänzlich – auch um international zu funktionieren. Die Heldin wird dann wohl “Bloom” oder “Flower” heißen, wie Aichner selbst sagt. Und diese expliziten Grauslichkeiten (perverse Sexorgien) haben mich schon bei Stieg Larsson ein wenig gestört.

Das ist aber Mäkeln auf sehr hohem Niveau. Alles in allem bin ich schon sehr auf das nächste Buch von Aichner gespannt, der Brünhilde Blum offenbar literarisch weiterleben lassen will.

8 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Totenfrau”, 446 Seiten, btb.

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5 Comments

Filed under Rezensionen

5 responses to “Bernhard Aichner: Totenfrau

  1. Mich hat ja besonders seine Sprache, also die oft einfachen, kurzen Sätze beeindruckt – die dann auch einiges zum Verschlingen-Effekt beigetragen haben. Liest sich halt ein bisschen fixer, als Schachtelsätze.

  2. Sehe ich auch so: ein klasse Thriller, rundum gelungen! Die Idee bzw. die Protagonistin ist einzigartig, die Sprache absolut soghaft. Aichner hat einen extrem wiedererkennbaren Sound, ich mochte ihn schon in seinem Roman Nur Blau, diese knappen, fast atemlosen Sätze – ein gewissermaßen filmisches Erzählen.

  3. Pingback: Beerdigungsmarathon: „Totenfrau“ von Bernhard Aichner | My Crime Time

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