George V. Higgins: Die Freunde von Eddie Coyle

(c) Verlag Antje Kunstmann

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“Der beste Krimi, der je geschrieben wurde”, urteilte Krimialtmeister Elmore Leonard über “Die Freunde von Eddie Coyle”. Darüber lässt sich streiten. Streiten lässt sich jedoch nicht über die Qualität der Kriminalromane von George V. Higgins. War das im September des Vorjahrs erschienene “Ich töte lieber sanft” der ideale Einstieg in die Bostoner Unterwelt der 1970er Jahre, so zeigt sich Higgins bei Eddie Coyle in der Hochblüte seines Schaffens. 90 Prozent der Bücher des “Balzac von Boston” sind Dialoge. Davon haben zweifellos Leonard, aber auch Quentin Tarantino und die Macher der TV-Serie “The Wire” gelernt.

Ich kann in diesem Zusammenhang den umfassenden Text von Alf Mayer bei culturmag dringend empfehlen. Wer etwas zu dem Buch und Higgins wissen will, wird dort alles erfahren. Es war vor allem eines, das Leonard von Higgins lernte, wie er in der Krimianthologie “Books to Die For” (die ich auch jedem ans Herz legen kann) schreibt: „Wie man ohne Zeit zu verlieren einfach in eine Szene geht und sich nicht damit aufhält, die Umstände und die Personen vorab zu beschreiben oder wie sie aussehen. Mit anderen Worten, den Leser vom Fleck weg zu fesseln. Und ich begriff auch dass Kriminelle wie ganz gewöhnliche Menschen sind, mit ziemlich den gleichen Sorgen wie wir alle.“

Und genau das ist die Stärke der Bücher von Higgins. Seine Figuren sprechen wie du und ich. Da geht es um Verbrechen, zwischendurch wird aber über die Zusammensetzung eines Sandwichs sinniert. Das klingt mitunter banal, ist aber unglaublich authentisch. Seine Kriminellen halten sich mitunter für superschlau – meist ist das aber ihr größter und nicht selten auch ihr letzter Fehler.

Mein Text soll mit einem der berühmtesten Kriminalromanfänge – dem Anfang von “Die Freunde von Eddie Coyle” natürlich – schließen: „Jackie Brown war sechsundzwanzig und verzog keine Miene, als er sagte, er könne ein paar Waffen besorgen.“ Und mit einem zusätzlichen Hinweis: Lesen!

8 von 10 Punkten

George V. Higgins: “Die Freunde von Eddie Coyle”, übersetzt von Dirk van Gunsteren, 190 Seiten, Verlag Antje Kunstmann.

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1 Comment

Filed under Rezensionen

One response to “George V. Higgins: Die Freunde von Eddie Coyle

  1. Ach ja, “Die Freunde von Eddie Coyle” hat mich auch begeistert, gerade weil sich die ganze Welt des Verbrechens in den Dialogen offenbart. Dabei hat George Higgins einen messerscharfen Blick für die Schwächen seiner Figuren und der Gesellschaft, aber er führt ihn niemals demonstrativ vor.

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