Garry Disher: Dirty Old Town

(c) pulp master

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Es ist schon Jahre her, dass ich den australischen Krimiautor Garry Disher zuerst begeistert für mich entdeckt habe (“Gier”) und dann doch wieder etwas enttäuscht (“Dreck”) die Finger von ihm gelassen habe. Die Hauptfigur war beide Male dieselbe: Wyatt. Nicht nur das Fehlen eines Vornamens verbindet ihn mit einer der größten Kultfiguren der modernen Kriminalgeschichte: Parker (erfunden von Richard Stark). Wyatt könnte der australische Zwillingsbruder von Parker sein.

Nun ist der siebente Teil der Wyatt-Serie (Disher hat das Buch 13 Jahre nach dem sechsten Teil geschrieben) erschienen und ich wollte es wieder wissen: Habe ich mich nach einem schwächeren Buch (vielleicht war ich damals auch einfach nicht in der richtigen Stimmung) täuschen lassen?

Die Antwort: Ja. Mit “Dirty Old Town” hat mich Disher vollkommen überzeugt. Wyatt ist ein Krimineller, der nach einem gewissen Ehrenkodex lebt – und das in einer Welt, in der es keine Ganovenehre gibt. Jeder legt jeden aufs Kreuz, wenn es ihm zum Vorteil gereicht. Wyatt ist so etwas wie ein Dinosaurier – oder ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

“In seiner Welt war man auf Rache aus, wenn man aufs Kreuz gelegt worden war. Man übte sie kaltblütig aus und setzte stets einen Schlusspunkt damit. Es war eine Angelegenheit, die erledigt werden musste, mehr nicht. Kamen Gefühle ins Spiel, konnte alles den Bach runtergehen.”

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Wyatt ist kein Guter, der auf der falschen Seite des Gesetzes steht. Er lebt nach seinen eigenen Wertvorstellungen. Wyatt ist ein wortkarger Einzelgänger (nach dem Motto: “words are very unnecessary, they can only do harm”; sorry ich stehe noch unter Einfluss des Depeche-Mode-Konzerts vor einer Woche in Wien – das war jetzt zu verlockend!), der skrupellos seine Interessen verfolgt. Und die schöne neue Technologiewelt hat ihm seinen Beruf (genauso würde es Wyatt wohl empfinden) als Kriminellen nicht gerade leichter gemacht.

Disher hat einen wunderbar altmodischen Krimi geschrieben, der zudem eine Hommage an Starks Figur Parker ist. Da spielt etwa eine Lydia Stark eine wichtige Rolle, einmal nimmt Wyatt die Identität eines Mannes mit dem Namen Parker an und dann gibt es da den Westlake-Gebäudekomplex (Donald E. Westlake war ein Pseudonym von Richard Stark). Ein Lesevergnügen. Um es mit den Worten von Elmar Krekeler zu sagen: “Lest Disher. Punkt.”

8 von 10 Punkten

Garry Disher: “Dirty Old Town”, übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller, 322 Seiten, pulp masters.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “Garry Disher: Dirty Old Town

  1. My Crime Time

    Hach, da bin ich jetzt aber schon ein wenig erleichtert, dass dir “Dirty Old Town” gefallen hat. 😉

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