Robert Crais: Straße des Todes

(c) Heyne

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Robert Crais war bislang ein blinder Fleck auf meiner Krimilandkarte. Ich hatte schon oft von dem Ermittler-Duo Joe Pike und Elvis gehört, war aber nie dazu gekommen, etwas von Crais zu lesen. “Straße des Todes” war nun also mein Crais-Debüt. Und ich bin gespalten.

Crais schreibt locker, spannend und auch mit Humor. Seine Figuren funktionieren ebenfalls perfekt. Dazu hat er ein brisantes Thema gewählt: Crais macht auf das Phänomen der bajadores, der Entführungen entlang der US-mexikanischen Grenze aufmerksam. Tatsächlich werden entlang der Fluchtrouten aus dem Süden immer häufiger Migranten gekidnappt und von deren Familien Geld erpresst. Mittlerweile ist Mexiko weltweit das Land mit den meisten Entführungen. Solange gezahlt wird, bleiben die Angehörigen am Leben, fließt kein Geld mehr, werden diese getötet.

Crais macht die Skrupellosigkeit der Kriminellen auch in deren Verwendung der Sprache deutlich. Die Migranten werden von ihren Entführern schlicht als pollos, also Hühner, bezeichnet. Für sie sind das keine Menschen, sondern ein Stück Ware, ein Geschäftsmodell. Wenn sie ausgedient haben, dreht man ihnen einfach den Hals um.

Und dennoch: Da war auch wieder dieses typische Thriller-Problem. Mir wurde zumindest bewusst, warum ich verstärkt Kriminalliteratur lese, die nicht nur von der reinen Spannung lebt. Pageturner haben schon etwas für sich (ich habe sie ja auch jahrelang bevorzugt gelesen und habe nun wohl irgendeine Grenze erreicht), hinterlassen mich aber oft mit einem leeren Gefühl. Und das war eben auch bei “Straße des Todes” so. Während des Lesens war alles wunderbar, ein simples Ende hat dann meinen positiven Gesamteindruck aber einigermaßen getrübt und letztlich war das Buch auch wieder schnell vergessen. Kein Abgang, würde der Weintrinker wohl sagen.

Etwas hat mir aber sehr gefallen. In einem CNN-Interview hat Crais erklärt, warum er für seine Bücher nie die Filmrechte verkauft hat. “Ich mache mir Sorgen, dass eine Verfilmung einen Keil zwischen meine Leser und mich treiben könnte. (…) Elvis und Joe werden in unseren Köpfen lebendig. Trotzdem hat jeder seine ganz eigene Vorstellung von den beiden. Ein Film würde das natürlich zerstören. Das ist es ja, was ich an Büchern so liebe: Alle lesen den gleichen Text, und doch sieht jeder andere Bilder.” Schön und treffend formuliert! Gerade in Zeiten, in denen das Geld regiert: Hut ab.

6 von 10 Punkten

Robert Crais: “Straße des Todes”, übersetzt von Jürgen Bürger, 412 Seiten, Heyne.

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