Don Winslow: Vergeltung, Vengeance, Verwirrung

(c) Suhrkamp

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Endlich ist er da: “Vergeltung”, der neue Thriller des US-Krimigroßmeisters Don Winslow! Und die ersten wenig wohlwollenden Reaktionen machen mich nun wirklich neugierig. Tobias Gohlis zieht einen gewagten Vergleich: “Vergeltung – ein Landserheft” titelt er seinen Eintrag im Krimi-Blog recoil: “Sein neuer Roman Vergeltung, der dieser Tage bei Suhrkamp erscheint (in den USA ist Vengeance noch nicht veröffentlicht) liest sich über weite Strecken wie ein Landserheftchen. So eine Ansammlung von Militär- und Krieger-Verherrlichung gekoppelt mit reaktionärem Rachegefasel habe ich lange nicht mehr gelesen. Wäre der Verfasser dieses Waffenkatalogs und dieser Akronymsammlung nicht Don Winslow, hätte ich es nicht zu Ende gelesen, und das Teil als Fehlversuch aus der Tom-Clancy-Schule beiseite gepfeffert.” Wow, das ist starker Tobak. Schwer vorstellbar, aber wenn der profunde Krimikenner Gohlis das schreibt wird da schon etwas dran sein.

Marcus Müntefering von Krimi-Welt und Spiegel Online ist da schon gnädiger in seinem Urteil. Denn seiner Meinung nach ist Winslow “nicht nur ein extrem moderner, rasend schneller Thriller gelungen, sondern auch ein hoch politischer Roman, der den Leser subtil dazu auffordert, sich der moralischen Ambivalenz unserer Zeit zu stellen.”

Spannend finde ich auch die Postings unter dem Spiegel Online-Artikel. Für Verwirrung sorgt vor allem, dass das Buch in den USA noch nicht erschienen ist. Das ist natürlich ein ungewöhnlicher, gewagter Schritt seines deutschen Verlags Suhrkamp (auch Carsten Strouds “Niceville” erschien zuerst auf Deutsch). Wer unter dem Begriff “Vengeance”, wie auch im Buch angegeben, sucht, wird nichts finden. Teilweise gibt es Zweifel daran, ob es sich hier überhaupt um den “echten” Winslow handeln kann, weil Stil und Thematik so anders sind als z.b. bei “Kings of Cool” und “Zeit des Zorns”.

So, ich habe daher meine Leseliste einfach über den Haufen geworfen und begonnen, “Vergeltung” zu lesen. Mein erstes Fazit nach rund 100 Seiten: Ich kann Gohlis’ Kritik verstehen, will mir aber noch kein endgültiges Urteil bilden. Und ich habe den Eindruck, dass die Erwartungshaltung bei Winslow besonders hoch ist. Wenn er mal einfach ein “normales” Buch zwischendurch schreibt, dürfte das zu Enttäuschung führen. Mal sehen, was ich hier bald berichten werde.

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2 Comments

Filed under Krim(i)skrams

2 responses to “Don Winslow: Vergeltung, Vengeance, Verwirrung

  1. Bin auch gerade auf Seite 120 – hätte es mir auch noch viel pathetisch-patriotischer vorgestellt nach all der Feuilleton-Kritik 😉

  2. Ich bin seit der Gohlis-Kritik auch sehr neugierig auf das Buch, werde aber erst Ende Februar dazu kommen. Deshalb bin ich umso gespannter, wie es bei Dir abschneiden wird.

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