Kriminacht in Wien: Donald Ray Pollock im Cafe Landtmann

(c) Kriminacht

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Die Kriminacht am 17. September in Wien war auch heuer wieder ein Pflichttermin. Und wie schon im Vorjahr hat es mich ins Cafe Landtmann gezogen. Las dort 2012 Daniel Woodrell aus “Der Tod von Sweet Mister”, war diesmal Donald Ray Pollock zu Gast. Er gab Textstellen aus seinen beiden Büchern “Knockemstiff” (zu meiner Rezension) und “Das Handwerk des Teufels” zum Besten. Die beiden Autoren gelten ja als die Speerspitze des Subgenres “Country Noir” (Woodrell schreibt über Missouri, Pollocks Bücher spielen in Ohio).

Aber die beiden Autoren haben noch mehr gemeinsam: Mit Peter Torberg haben sie den selben Übersetzer. Und dann wäre da dieses zurückhaltende, bescheidene Auftreten der beiden Ausnahmeautoren. Die deutsche Übersetzung hat übrigens der Schauspieler Karl Markovics gelesen, der Pollock wesentlich authentischer rübergebracht hat als im Vorjahr Adi Hirschal Woodrell.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte Teresa Schaur-Wünsch in der Presse ein Gespräch mit Pollock geführt. Darin gibt er zu: “Nette Geschichten kann ich nicht”. Weil er über das schreibe, was bei ihm früh Eindruck hinterlassen hat. Wie zum Beispiel sein Vater. “Ich habe immer aufgepasst, nichts zu tun, das ihn reizen könnte. Ich habe die Gewalt immer sehr genau beobachtet, weil ich Angst vor ihr hatte. Und wenn man mit so etwas aufwächst, ist es immer da.”

Vom “bad temper” seines Vaters sprach Pollock dann auch bei der Lesung. Und er sagte, er wisse, dass die Leute ein Happy End wollen. Aber es gäbe genug Autoren am Markt, die dieses Bedürfnis befriedigen könnten. Im wirklichen Leben wären Happy Ends eben rar.

Beim abschließenden Signieren habe ich Pollock nach seinen Lieblingautoren im Genre Crime Fiction gefragt. Er hat dabei zwei hierzulande eher vergessene Altmeister, James Cain (“Wenn der Postmann zweimal klingelt”, “Abserviert”) und David Goodis (“Schießen Sie auf den Pianisten”), namentlich genannt. Außerdem hat er Cormac McCarthys “No Country for Old Men” besonders gelobt.

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2 Comments

Filed under Altmeister, Krim(i)skrams

2 responses to “Kriminacht in Wien: Donald Ray Pollock im Cafe Landtmann

  1. Oh, wie gerne wäre ich dort auch gewesen. Leider hat er in D nur in Berlin und Hamburg gelesen, dass war mir für eine Lesung dann doch zu weit.

    • Ja, ich war vor allem beeindruckt, was für einen bescheidenen Eindruck Pollock gemacht hat, aber das war auch schon bei Woodrell so. Und irgendwie war auch dieses Bild dieser US-Autoren, die ja aus der Provinz stammen, im altehrwürdigen Kaffeehaus etwas Besonderes.

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