Warum ich “Ein deutscher Sommer” nicht lesen werde

(c) Aufbau Verlag

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Immer wieder passiert es mir beim Lesen von ersten Seiten oder Textauszügen, dass ich weiß: Dieses Buch will ich nicht lesen. Soeben war das der Fall. Ich werde “Ein deutscher Sommer” von Peter Henning nicht lesen. Leider, eigentlich hätten alle Zutaten gepasst. Denn Henning schreibt über die Ereignisse des Gladbeck-Geiseldramas vor 25 Jahren. Ich habe diese damals im Alter von 14 Jahren im Fernsehen mitverfolgt. Mein Interesse war also geweckt, als ich kürzlich bei “freitag.de” auf den entsprechenden Buchtipp gestoßen bin.

Doch dann habe ich im Internet einen Textauszug gelesen. Und ein einziger Satz hat ausgereicht, um mein Interesse abrupt zu stillen: Beschrieben wird eine Szene, in der einer der beiden Bankräuber und späteren Geiselnehmer ein Polizeiauto vorbeifahren sieht. “Das Adrenalin, das der Anblick des grün-weiß-lackierten Fahrzeugs in ihm freigesetzt hatte, raste in Millisekunden durch die labyrinthischen Windungen seines Innern und krachte wie ein abgeschossene Flipperkugel, die über Rollovers und durch In- und Out-Lanes jagte, so lange und ruhelos und mit einer solchen Heftigkeit wieder und wieder gegen seine körpereigenen Bumper und Zielscheiben, dass er, der in Tausenden von Spielstunden gestählte Flipperkönig von Gladbeck-Ellenhorst, einen Moment lang glaubte, einen Tilt verursachen und aufstecken zu müssen, um nicht komplett zu überdrehen.”

Das mag literarisch sein, glaubwürdig ist das für mich aber nicht. Angesichts der heiklen Rolle der Medien gerade bei diesem Fall finde ich solche Sätze einfach nicht passend. Nach all dem Lob, das ich über das Buch gefunden habe, bin ich aber froh, eine Rezension entdeckt zu haben, die mir aus der Seele spricht: “Will man dem, der so schreibt, abnehmen, dass er sein Thema ernst nimmt, dass er auf Augenhöhe mit dem Gegenstand operiert?”, fragt Paul Jandl in der “Welt”-Kritik. Ich würde sagen: Nein. Aber letztlich ist das Geschmackssache.

Wer trotzdem mehr über die Geschehnisse von damals wissen will, der kann jedenfals auf “freitag.de” weiterschmökern – dort sind viele brauchbare Informationen und Links gesammelt.

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2 Comments

Filed under Krim(i)skrams

2 responses to “Warum ich “Ein deutscher Sommer” nicht lesen werde

  1. Da war wohl jemand zu verliebt in eine bilderreiche Phrase und hat dabei den Inhalt aus den Augen verloren …

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