Das ewige Rätsel Kim Philby

Wohl kein anderer Doppel-Spion hat den Ruf der britischen Geheimdienste derart beschädigt wie Kim Philby, der dem Spionagering “Cambridge Five” angehörte. Schon John le Carré setzte sich mit dem Club der Fünf in “Dame, König, As, Spion” auseinander (mehr dazu auch von Tobias Gohlis). Ende 2012 sind nun zwei weitere, sehr lesenswerte Annäherungen an Philby und seine Mitverräter erschienen.

Da wäre einerseits “Philby: Porträt des Spions als junger Mann” von Spionage-Altmeister Robert Littell. Und andererseits “Die Trinity-Verschwörung” von Charles Cumming.

Littell hat es mit seiner Interpretation sogar auf Platz 2 der Krimizeit-Bestenliste im November und Dezember geschafft. Noch immer gibt es Zweifel daran, ob Philby nicht in Wirklichkeit doch für die Briten spioniert hat. Littell spielt geschickt damit und porträtiert Philby als schüchternen Stotterer, der alle täuscht. Wer Wien in den 1930er Jahre etwas besser kennenlernen will, erfährt viel über Philbys Zeit in der österreichischen Hauptstadt.

Eine wichtige Nebenrolle spielt die Stadt übrigens auch in Cummings Philby-Geschichte. Es ist allerdings das Wien von heute, in das der britische Geschichtsdozent und Russland-Experte Sam Gaddis reist, um mehr über das bislang unbekannte sechste Mitglied der “Cambridge Five” zu erfahren. “Die Trinity-Verschwörung” ist das erste Buch des Autors, das auf Deutsch erscheint. Eigentlich unverständlich, denn das nun erschienene Buch ist bereits sein fünfter Spionage-Roman. Sein sechstes Buch, “A Foreign Country”, wurde 2012 mit dem renommierten “Steel Dagger Award” ausgezeichnet. Bleibt zu hoffen, dass dieses Buch ebenfalls übersetzt wird.

Philby spielte übrigens auch in Norman Mailers überragendem CIA-Epos “Epos der geheimen Mächte” (auf Deutsch in zwei Bänden: “Gespenster”, “Feinde” erschienen) eine gewichtige Rolle. Zwar geht es bei Mailer vordergründig um den ehemaligen seltsamen und sagenumwobenen Chef der Spionageabwehr James Jesus Angleton. Doch auch hier fließt Philby entscheidend mit ein. Er ist ein Hauptgrund für Angletons Besessenheit, Maulwürfe im eigenen Geheimdienst zu enttarnen. Einer Besessenheit, der auch viele unschuldige Agenten zu Opfer fielen.

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